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Montag, 12. Oktober 2015
[Rezension] Lockwood & Co - Die Raunende Maske (The Hollow Boy)
Das große Problem an den Lockwood-Büchern? Ich suchte sie. Das ist wohl der passende Ausdruck. Ich ergattere das Buch, muss es natürlich sofort lesen, am Besten nichts anderes mehr machen. Und nach maximal zwei Tagen ist der Spuk (im wahrsten Sinne des Wortes) wieder vorbei. Ich kann sie einfach nicht langsam lesen, so sehr fesselte mich bisher jeder Teil. Und selbst, wenn ich mitten in der Nacht lesen muss und mich dabei manchmal gehörig grusle: Vollkommen egal! Nach einem Kapitel aufhören und schlafen oder etwas anderes machen? Schwierig - denn meistens haben sie Cliffhanger! Jonathan Stroud ist ein äußerst fieser Autor.
Die Rezensionen anderer Leute zum neuen Lockwood-Band zu lesen (Goodreads) macht großen Spaß. Wieso? Zum Einen sehe ich, dass ich in meiner Begeisterung nicht allein bin. Zum Anderen ist es einfach schön, mal einfach nur begeisterte Rezensionen zu lesen. Das kommt ja nun selten genug vor. Aber hier scheinen sich alle einig zu sein: Lockwood ist toll, bleibt toll und auch mit dem dritten Band hat Jonathan Stroud seine Fans nicht enttäuscht. Die gekonnte Mischung aus Grusel, Spannung, Witz und gerne auch mal Slapstick findet sich hier genauso wieder. Und wenn man sich so langsam denkt, dass er gerade beim Gruselfaktor nicht noch einen draufsetzen kann: Kann er. Und wie! Das von Geistern heimgesuchte London, diesmal vor allem der Stadtteil Chelsea, wird mehr und mehr zu einem Ort, an dem man nicht unbedingt gerne leben möchte. Die verschiedenen Agenturen, die auf Geisterjagd spezialisiert sind, beißen sich die Zähne aus und wissen nicht mehr weiter. Denn sie machen einen großen Fehler und fragen nicht bei Lockwood & Co nach. Denn deren Agent George liebt die Recherche und findet ziemlich schnell heraus, wo das Problem herkommt und an welchem Ort man sich einmal genauer umsehen sollte.
Lucy wiederum hat zusätzlich ihre ganz eigenen Probleme. Mindestens zwei davon. Eins ist weiblich, hört auf den Namen Holly und ist die neue Sekretärin bei Lockwood & Co. Was nach einer erheblichen Arbeitserleichterung klingt ist für Lucy vor allem nervig und Grund zur Eifersucht. Bisher war sie das einzige Mädchen in der Runde. Und hatte Anthony Lockwoods Aufmerksamkeit ganz für sich alleine. Durch Holly ändert sich das natürlich und das passt Lucy so gar nicht. Ein weiteres Problem ist, dass sie ihre neuen und ständig wachsenden Fähigkeiten gar nicht als Problem ansieht: Sie kann mit Geistern kommunizieren. Sie versteht, was diese ihr sagen wollen und lässt dabei gerne einmal jegliche Vorsicht außen vor. Dass das zu einer Vielzahl von gefährlichen Situationen führen kann, ist irgendwie klar...
Wenn ich bisher Kritik am dritten Lockwood-Band gelesen habe, dann war es tatsächlich an Lucy selbst und an ihrer etwas irrationalen Eifersucht. Aber auf der anderen Seite gibt es wiederum Leser (wie mich), die natürlich seit dem ersten Band darauf warten, dass sich etwas tut zwischen ihr und Lockwood. Denn dass die gute Lucy romantische Gefühle für ihren Anführer hegt, wird ziemlich schnell klar. Und verübeln kann man es ihr irgendwie auch nicht. Schön ist aber, dass gerade dieses Thema zwar immer mal wieder zur Sprache gebracht wird, aber niemals im Vordergrund steht und von dem ablenkt, was im Fokus steht: Die Geisterjagd. Und die ist wie gewohnt spannend und so gruselig, dass man beim Lesen gerne mal ein Licht mehr anlässt und die Heizung aufdreht, denn man weiß ja, was es bedeutet, wenn die Temperatur in einem Raum verdächtig kalt ist...
Auf Deutsch kommt Die Raunende Maske am 19. Oktober auf den Markt, aber nachdem ich gesehen hatte, dass der Band auf Englisch bereits erschienen war, konnte ich nicht an mich halten. Die wunderschöne Ausgabe von cbj wird aber natürlich dennoch in mein Regal einziehen dürfen und sich zu den anderen beiden gesellen! Außerdem überlege ich, mir das Hörbuch zuzulegen, das von Anna Thalbach gelesen wird und bestimmt schön schaurig und für nebelige Herbstabende genau das Richtige ist!
Donnerstag, 25. April 2013
[Empfehlung] The Perks Of Being A Wallflower - Film & Buch
So, this is my life. And I want you to know that I am both happy and sad and I'm still trying to figure out how that could be
Mit (modernen) Klassikern ist das ja so eine Sache: Wenn man das Gefühl hat, dass man sie lesen muss, weil das ja jeder gebildete Mensch getan hat, dann hat man schon keine Lust mehr. Zumindest mir geht es immer so. Dieser Denkweise sind schon einige Bücher zum Opfer gefallen und das ist eigentlich sehr schade.
Lange Zeit ging es mir auch mit „The Perks Of Being A Wallflower“ so. Moderner Klassiker der Jugendliteratur, mit Preisen überhäuft, in den Himmel gelobt, ständig irgendwo Klassenlektüre. Das schreckte mich schon ab. Als ich dann auch noch herausfand, dass es sich um einen einseitigen (im Sinne von: Es gibt nie eine Antwort) Briefroman handelt, war mir klar: Das kommt auf den Stapel „Nein danke“.
Aber wie so oft im Leben (vor allem in meinem) wurde ich eines Besseren gelehrt. Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam, aber eines Freitagabends hatte ich Lust, mir einen Film anzuschauen. Und aus irgendeinem Grund fiel die Wahl auf die Verfilmung von „Perks“. Zu deutsch sehr verwirrend mit „Vielleicht lieber morgen“ betitelt, heißt das Buch doch in der Übersetzung „Das also ist mein Leben“. Aber das mal nur am Rande. Man sollte es eh im Original lesen und anschauen.
I am very interested and fascinated by how everyone loves each other, but no one really likes each other
Wie dem auch sei: Es war Freitagabend und ich sah mir den Film an. Und kaum war er zuende, war ich besessen. Anders kann man es nicht sagen. Es ist die Art von Film, die einen nicht mehr loslässt. Einer zum Mitheulen, zum Mitlachen, zum Mitfreuen und zum Mitleiden. Auch einer der Filme, der gerade Kultstatus erreicht, aber in dem Fall kann ich das verstehen. Es stimmt einfach alles. Die Besetzung ist grandios (Besonders liebe ich Ezra Miller, obwohl Logan Lerman und Emma Watson wirklich auch exzellent spielen), der Soundtrack wie ein Mixtape, das man sich immer wieder anhören will. Eine rundum gute Sache, nicht zuletzt deswegen, weil der Autor des Buches, Stephen Chbosky, auch das Drehbuch schrieb und Regie führte. Das merkt man ja immer sofort.
And all the books you've read have been read by other people. And all the songs you've loved have been heard by other people. [...] And you know that if you looked at these facts when you were happy, you would feel great because you are describing "unity".
Nachdem ich also den Film gesehen und mich verliebt hatte, kam der nächste Schritt: Ab zu Tumblr und YouTube, alles anschauen, was ich finden kann. Und als ich auch hier gesättigt war, blieb natürlich nur eins: Das Buch endlich lesen. Und das tat ich dann auch. Und ärgerte mich: Wieso nur hatte ich mich so lange geweigert, es zu lesen?!
You can't just sit there and put everybody's lives ahead of yours and think that counts as love.
Natürlich ist es erst einmal ungewöhnlich und etwas schwerer zu lesen. Aber hat man sich einmal darauf eingelassen, ist der Schreibstil absolut passend: Charlies Briefe an einen Unbekannten, die immer mit „Dear Friend“ beginnen und mit „Love Always, Charlie“ enden. Dazwischen erzählt er aus einer Zeitspanne seines Lebens, die nicht zur schönsten, sondern auch teilweise zur schlimmsten seines Lebens gehört. Aber die Geschichte an sich ist nicht das, was einen so fesselt: Es sind diese kleinen, wunderbaren Sätze, die man so noch nie gelesen hat und die man sich am liebsten auf die Wand, die Haut oder sonstwohin schreiben will, damit man sie immer lesen kann. Kleine, philosophische Einsichten über das Leben und die Menschen.
We accept the love we think we deserve
Es wird ja generell als Frevel bezeichnet, wenn man ein Buch liest, nachdem man die Verfilmung gesehen hat. In diesem Fall finde ich es sogar besser. Wenn man am Anfang nicht den Zugang zum Buch findet, bleibt man Dank des Filmes dran. Man weiß, was noch kommen wird und man will wissen, wie es auf den Seiten steht. Und kaum versieht man sich, schon hat man sich an den Stil gewöhnt und sogar Gefallen daran gefunden.
If somebody likes me, I want them to like the real me, not what they think I am
Sollte ich „The Perks Of Being A Wallflower“ jemandem empfehlen, dann würde es mir schwer fallen, die richtige „Zielgruppe“ zu finden. Jugendliche und Junge Erwachsene, egal wer? Möglich. Aber eigentlich ist es ein Film für jeden, der Sinn für gute, stimmige Filme hat, die einen noch lange beschäftigen und ein klein wenig emotional werden lassen.
Eine Inhaltsbeschreibung habe ich bewusst weggelassen. Irgendwo hat man vom Inhalt ja schonmal gehört und wenn nicht: Umso besser, denn wenn man möglichst wenig weiß, macht vor allem der Film besonders Spaß.
So I guess we are what we are for a lot of reasons. And maybe we'll never know most of them. But even if we don't have the power to choose where we come from, we can still choose where to go from there. We can still do things. And we can try to feel okay about them.
Dienstag, 23. April 2013
[Rezension] Cath Crowley - Graffiti Moon
Zwei Menschen, die nachts durch eine Stadt stromern und sich dabei besser kennenlernen, als sie es tagsüber je gekonnt hätten. Das kennt man. Man denke nur an Before Sunrise oder an Nick & Norah's Infinite Playlist. Die Idee mag alt sein und doch fasziniert sie immer wieder. Weil man sie jedes neue Mal komplett anders ausarbeiten kann, als in den anderen Geschichten. Weil die Charaktere anders handeln. Weil die Nacht viele Möglichkeiten bietet.
Er ist eben kein Mr Darcy.
Lucy hat so ihre Probleme mit Jungs. Vor allem mit Ed. Vor über zwei Jahren waren die beiden auf einem Date, bei dem sie ihm die Nase gebrochen hatte, nachdem er sie "betatscht" hatte. Und doch fühlt sie sich heimlich immer noch zu ihm hingezogen, auch wenn sie das nicht zugibt, vor allem nicht vor sich selbst.
Ed hat Lucy auch nicht vergessen, trotz der gebrochenen Nase. Und als sie einander plötzlich wieder gegenüberstehen, scheint dieses Prickeln immer noch da zu sein. Nur, dass sie an ihm kein Interesse mehr zu haben scheint. Denn Lucy ist in jemand anders verliebt. In Shadow. Den geheimnisvollen Graffiti-Künstler, dessen Pieces ihr direkt aus der Seele sprechen. Den sie noch nie gesehen hat, aber unbedingt treffen will. Und Ed scheint ihn zu kennen. Ganz klar: Er muss ihn ihr vorstellen. Doch was, wenn Shadow nicht der Traumtyp ist, den sie sich ausmalt. Was, wenn er ein arbeitsloser Schulabbrecher ist, der nicht richtig lesen kann? Was, wenn sie ihn eigentlich schon kennt und jetzt mit ihm durch die nächtliche Stadt gondelt?
Dass Shadow das Pseudonym von Ed ist, macht die Sache natürlich nicht leichter für ihn. Denn irgendwann wird es herauskommen und Lucy wird nicht begeistert sein. Weil er sie angelogen hat. Und weil er nicht dem Idealbild entspricht, das sie von Shadow hat. Er ist kein gebildeter Künstler, er ist nicht weltoffen und erfahren. Und er hat vor, noch in dieser Nacht die Schule auszurauben, denn er hat kein Geld und Schulden.
Mir ist nur eingefallen, dass du mich geschlagen hast, weil ich nicht Mr Darcy war.
Es einem Mädchen wie Lucy recht zu machen, scheint unmöglich. Sie hat hohe Ansprüche, kennt sich mit Kunst aus, ist talentiert. Und Ed scheint all dem einfach nicht zu entsprechen. Ihre Vergangenheit zeigt, dass die beiden einfach nicht kompatibel sind. Oder?
Denn im Laufe der Nacht scheint Lucy das Ziel aus den Augen zu verlieren. Shadow scheint zu dem zu werden, was er ist: Ein Schatten. Ed tritt in den Vordergrund, denn wie sich herausstellt, kann man sich sehr wohl mit ihm unterhalten, auch über Kunst. Und er ist realer als Shadow. Oder nicht?
Alles in Ordnung? Dein Flüstern klingt plötzlich so schrill.
Eine Nacht wie jede andere. Aber doch auch die Nacht nach dem Abschluss, die Nacht in der sich alles verändern kann. Und auch wird. Für Lucy und für Ed, aber auch für ihre Freunde. Denn Eds Freund Leo, der unter dem Decknamen Poet Gedichte und Texte für die Graffitis schreibt, sitzt in der Klemme. Zum Einen will er Lucys Freundin Jazz beeindrucken, zum Anderen muss er 500 Dollar auftreiben. Das alles in einer Nacht. Scheint ein bisschen zu viel zu sein.
Es gibt viele Dinge, die "Graffiti Moon" zu etwas ganz Besonderem machen. Die Charaktere, die verschiedenen Arten von Kunst, die von Leo alias Poet geschriebenen Gedichte, die zwischen den Kapiteln immer wieder auftauchen, die wechselnden Perspektiven. Es ist ein Buch, das einen nicht so schnell loslässt. Dass einen in die Nacht hinaus schicken will, um selbst Abenteuer zu erleben. Sein Leben zu ändern, etwas zu erleben. Und sich zu verlieben. In die Nacht selbst oder in die Schatten, die sich in ihr tummeln.
Cath Crowley - Graffiti Moon - Carlsen - €16,90
Freitag, 5. April 2013
[Rezension] Huntley Fitzpatrick - Mein Sommer nebenan
Voldemort, die Kornnatter mit dem Schuh-Fetisch. Wunderbar.
Ein komischer Satz für den Beginn einer Rezension, aber dennoch ist er irgendwie bei mir hängen geblieben. Weil er zur Geschichte passt und weil er vor allem ganz gut beschreibt, mit wem man es zu tun hat.
Die Familie Garrett ist groß. Zehnköpfig um genau zu sein. Und genau das ist der Grund, warum die Mutter von Samantha ihr seit jeher untersagt hat, sich mit ihnen zu befassen, obwohl sie im Haus nebenan wohnen. Weil sie ihrer Meinung nach verlottert sind und ein Albtraum für die Wohngegend. Doch wie das so ist: Genau deswegen macht man es erst recht. In Samanthas Fall in sicherer Entfernung vom Dachvorsprung aus. Sie konnte ja nicht ahnen, dass Jase, der Sohn der Garretts sie ebenfalls beobachtete und eines schönen Tages einfach beschließt, Samantha an ihrem Lieblingsplatz zu besuchen.
Natürlich ist das der Stoff, aus dem (verbotene) Liebesgeschichten sind. Aber nicht nur das: Samantha verliebt sich in die ganze Familie, nicht nur in Jase. Sie verbringt beinahe ihren ganzen Sommer dort, geht ein und aus, passt auf die kleineren Kinder auf. Zum ersten Mal in ihrem Leben tut sie etwas, das ihre Mutter ihr nicht erlaubt hat. Und noch schlimmer: Sie erzählt ihr nicht davon. Aber das muss sie auch nicht, denn Grace Reed bekommt eh nichts mit. Denn Samanthas Mutter ist ihm Wahlkampf. um als Senatorin wiedergewählt zu werden. Und das ist natürlich wichtiger, als die eigene Familie. Ganz davon abgesehen, dass sie sich auch privat um ihren Wahlkampfbetreuer Clay Tucker kümmern muss. Und der scheint seine ganze eigenen Pläne zu haben, um Mutter Grace zum Sieg zu verhelfen. Dass er dabei fast über Leichen gehen würde, versteht sich ja von selbst...
Doch Samantha ist glücklich: Sie mag zwar in ihrem Leben immer eine Prinzessin gewesen sein, alles bekommen haben und Luxus erlebt haben, doch so etwas wie die Familie Garrett kannte sie nicht. Und sie merkt jetzt erst, dass ihr diese besondere Art Trubel gefehlt hat. Auch wenn sie nicht ahnt, dass es bald mehr Trubel geben wird, als gut ist. Und ihre Mutter ist daran nicht ganz unschuldig. Eher das Gegenteil.
Wir unterbrechen diese schlichte Alltagsgeschichte nun mit einer Tragödie von epischem Ausmaß
Für Fans von Sarah Dessen, Sarah Ockler oder Jenny Han ist "Mein Sommer nebenan" ein Traum! Es ist eine von diesen Geschichten, bei der man das zentrale Pärchen sofort ins Herz schließt, mit ihnen mitfiebert, wenn es um den ersten Kuss geht. Aber auch eine der Geschichten, in denen die Nebencharaktere so ausgefeilt und liebenswert sind, dass man sich nach ein paar Seiten bereits wie ein Teil von ihnen fühlt und sich am Ende der Lektüre nur schwer von ihnen trennen kann. Man freut sich, leidet, liebt mit ihnen. Man teil ihre Sympathien und Abneigungen, ihre Ängste und Sorgen. Und genau das macht doch ein richtig gutes Buch aus, oder? Das Eintauchen in eine andere Welt, die bald zur eigenen wird und einen nicht mehr loslässt. Die Liebe zu den Charakteren und zu dem kleinen Örtchen, an dem die Geschichte spielt. Und die Wehmut, wenn man die letzte Seite gelesen hat und sie zurücklassen muss.
Huntley Fitzpatrick - Mein Sommer nebenan - cbj - € 16.99
Dienstag, 26. Februar 2013
[Rezension] Alexandra Pilz - Zurück nach Hollyhill
Zeitreisegeschichten feiern eindeutig ihr Comeback. Spätestens seit der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier wollen wir diese Art von "Fantasy" wieder lesen. Aber es kam noch nicht viel Vergleichbares hinterher, um die Lücken von Gwendolyn und Gideon zu füllen. Bis jetzt! Denn ich finde "Zurück nach Hollyhill" ist ein sehr würdiger Nachfolger was Spannung, Romantik, aber auch ein gewisses Maß an Komik angeht.
Emily hat gerade ihr Abitur gemacht. Und wie viele unternimmt sie erst einmal eine Reise. Aber nicht eine von der "gewöhnlichen" Sorte. Sie macht sich auf, ihre Vergangenheit zu erkunden. Namentlich den Ort "Hollyhill", in dem ihre Mutter aufwuchs, die vor 13 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam.
Hollyhill steht auf keiner Karte, niemand scheint es zu kennen. Mitten im Dartmoor ist es und Emily findet das kleine Dörfchen nur, weil der junge Matt sie aufliest und mitnimmt. Doch da hört seine Freundlichkeit auch schon auf, denn er scheint nicht sonderlich viel Sympathie für sie übrig zu haben. Alle scheinen sie zu kennen bzw. in ihr ihre Mutter zu sehen - vor allem ihre Großmutter, die sie in Hollyhill wiedertrifft. Und jeder schien ihre Mutter zu kennen, die vor dreißig Jahren das Dorf verließ. Sogar die Bewohner, die noch viel zu jung dazu sind. Doch wie kann das sein?
Dass es in Hollyhill nicht mit rechten Dingen zugeht wird Emily schnell klar. Es hat schon seine Gründe, dass niemand etwas von dem Dorf weiß. Und auch, dass alles scheinbar zeitlos ist. Indem sie ihre Vergangenheit sucht, findet Emily irgendwie auch ihre Zukunft. Und alles dazwischen. Und davor. Verwirrend? Sind das Zeitreisegeschichten nicht immer?
Denn Hollyhill ist wirklich nicht gewöhnlich. Das ganze Dorf samt Bewohnern kann in der Zeit reisen. Aber nicht willkürlich. Sie haben immer eine Mission. Und plötzlich ist Emily mittendrin in einer dieser Rettungsaktionen. Und danach wird nichts mehr sein wie vorher...
Alexandra Pilz hat mit der 17-jährigen Emily eine Heldin geschaffen, die man ins Herz schließen kann. Ihre Verwirrung, ihre Angst und das Gefühlschaos, in dem sie steckt - all das fühlt man mit ihr. Man fiebert mit, man fürchtet und gruselt sich. Und man verliebt sich. In Hollyhill und auch in so manchen Bewohner...
Alexandra Pilz: Zurück nach Hollyhill - Heyne fliegt - € 16.99
Montag, 25. Februar 2013
[Rezension] Nicole C. Vosseler - In dieser ganz besonderen Nacht
Geistergeschichten gehören zur Kultur wie Sagen, Mythen und Märchen. Sie erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit und schaffen es wie nichts anderes, die Menschen jeglichen Alters zu fesseln. Geschichten über Erscheinungen, übernatürliche Phänomene und Unerklärliches lassen sich Nackenhaare sträuben, verursachen Gänsehaut und Schauer.
Nicole C. Vosseler hat sich den Geistermythen angenommen und daraus eine Liebesgeschichte gewoben, die dramatischer und herzzerreissender nicht sein könnte. Die 17-Jährige Amber wird Halbwaise. Ihre Mutter stirbt an einen Gehirntumor und sie muss zu ihrem Vater, den sie kaum kennt, nach San Francisco ziehen. Natürlich ist sie von diesem Umzug nicht gerade begeistert, zumal ihr immer noch der Boden unter den Füßen zu fehlen scheint, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Sie findet sich schwer zurecht und kann sie nicht einleben.
Soweit, so nachvollziehbar. Nur dass sie plötzlich Menschen sehen kann, die außer ihr niemand wahrnimmt, lässte sie an ihrem Verstand zweifeln. Sollte sie sich einweisen lassen? Hat ihr der emotionale Stress doch zu sehr zugesetzt.
Offenbar nicht unbedingt, denn eines Tages kommt ihr Mitschüler Matt auf sie zu und bringt sie mit einer Frage vollkommen aus der Fassung: "Du siehst sie auch, oder?". Wer jetzt an "The Sixth Sense" und "Ich sehe tote Menschen" denkt, der hat denselben spontanen Gedanken wie Amber. Das kann doch nicht sein?
Eine Zeitlang beschäftigt sie das Phänomen sehr, doch sie wird schnell abgelenkt. Von Nathaniel, den sie für einen Obdachlosen hält und der ihr immer in einem alten, leerstehenden Haus begegnet. Zwischen den beiden scheint es etwas Besonderes zu geben. Doch egal, wie nah sie soch kommen, Nathaniel berührt sie nicht. Amber fühlt sich zurückgewiesen. Was hat er nur?
Dem geneigten Leser ist natürlich längst klar, warum Nathaniel sich so verhält, nicht zuletzt wegen den aus seiner Sicht geschriebenen Passagen: Er ist ein Geist. Eine verlorene Seele, die nicht ins Jenseits übertreten konnte. Ohne Körper, aus reiner Energie. Und nur wenige können ihn sehen. Außer Amber natürlich Matt, aber auch zwei weitere Schüler an ihrer Schule: Abby und Shane. Das macht die Sache mit den Geistern zwar erträglicher, aber nicht einfacher. Vor allem, weil Amber und Nathaniel sich nichts mehr wünschen, als sich endlich zu berührern.
Ihre einzige Möglichkeit. Halloween. Wenn die Grenzen durchlässig werden und Nathaniel fast so etwas wie einen normalen, menschlichen Körper hat. Doch was wird diese Nacht wirklich zwischen ihnen ändern?
Geistergeschichten üben auf mich ebenso einen Reiz aus, wie auf viele andere auch. Und obwohl "In dieser ganz besonderen Nacht" nicht vordergründig gruselig ist, hat es mir so manches Mal beim Lesen eine Gänsehaut verursacht, schließlich kann man die Geister ja nicht sehen, höchstens spüren. Und auch, wenn ich nicht an übersinnliches glaube, so hat es mich doch manches Mal gefröstelt. Amber ist eine "Heldin", mit der man anfangs nicht gleich warm wird. Dafür gegen Ende umso mehr. Man fühl mit ihr, wenn sie ob der Lage mit Nathaniel immer verzweifelter wird und wünscht ihr nichts mehr, als dass das Unmögliche wahr werden kann.
Offizieller Buchtrailer:
Nicole C. Vosseler hat sich den Geistermythen angenommen und daraus eine Liebesgeschichte gewoben, die dramatischer und herzzerreissender nicht sein könnte. Die 17-Jährige Amber wird Halbwaise. Ihre Mutter stirbt an einen Gehirntumor und sie muss zu ihrem Vater, den sie kaum kennt, nach San Francisco ziehen. Natürlich ist sie von diesem Umzug nicht gerade begeistert, zumal ihr immer noch der Boden unter den Füßen zu fehlen scheint, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Sie findet sich schwer zurecht und kann sie nicht einleben.
Soweit, so nachvollziehbar. Nur dass sie plötzlich Menschen sehen kann, die außer ihr niemand wahrnimmt, lässte sie an ihrem Verstand zweifeln. Sollte sie sich einweisen lassen? Hat ihr der emotionale Stress doch zu sehr zugesetzt.
Offenbar nicht unbedingt, denn eines Tages kommt ihr Mitschüler Matt auf sie zu und bringt sie mit einer Frage vollkommen aus der Fassung: "Du siehst sie auch, oder?". Wer jetzt an "The Sixth Sense" und "Ich sehe tote Menschen" denkt, der hat denselben spontanen Gedanken wie Amber. Das kann doch nicht sein?
Eine Zeitlang beschäftigt sie das Phänomen sehr, doch sie wird schnell abgelenkt. Von Nathaniel, den sie für einen Obdachlosen hält und der ihr immer in einem alten, leerstehenden Haus begegnet. Zwischen den beiden scheint es etwas Besonderes zu geben. Doch egal, wie nah sie soch kommen, Nathaniel berührt sie nicht. Amber fühlt sich zurückgewiesen. Was hat er nur?
Dem geneigten Leser ist natürlich längst klar, warum Nathaniel sich so verhält, nicht zuletzt wegen den aus seiner Sicht geschriebenen Passagen: Er ist ein Geist. Eine verlorene Seele, die nicht ins Jenseits übertreten konnte. Ohne Körper, aus reiner Energie. Und nur wenige können ihn sehen. Außer Amber natürlich Matt, aber auch zwei weitere Schüler an ihrer Schule: Abby und Shane. Das macht die Sache mit den Geistern zwar erträglicher, aber nicht einfacher. Vor allem, weil Amber und Nathaniel sich nichts mehr wünschen, als sich endlich zu berührern.
Ihre einzige Möglichkeit. Halloween. Wenn die Grenzen durchlässig werden und Nathaniel fast so etwas wie einen normalen, menschlichen Körper hat. Doch was wird diese Nacht wirklich zwischen ihnen ändern?
Geistergeschichten üben auf mich ebenso einen Reiz aus, wie auf viele andere auch. Und obwohl "In dieser ganz besonderen Nacht" nicht vordergründig gruselig ist, hat es mir so manches Mal beim Lesen eine Gänsehaut verursacht, schließlich kann man die Geister ja nicht sehen, höchstens spüren. Und auch, wenn ich nicht an übersinnliches glaube, so hat es mich doch manches Mal gefröstelt. Amber ist eine "Heldin", mit der man anfangs nicht gleich warm wird. Dafür gegen Ende umso mehr. Man fühl mit ihr, wenn sie ob der Lage mit Nathaniel immer verzweifelter wird und wünscht ihr nichts mehr, als dass das Unmögliche wahr werden kann.
Nicole C. Vosseler: In dieser ganz besonderen Nacht - cbj - € 18.99
Montag, 11. Februar 2013
[Rezension] Kiera Cass - Selection
Eine Gesellschaft, in der die Menschen in Kasten eingeteilt sind, mag uns vorsintflutlich erscheinen. Im Fall von Kiera Cass' "Selection" ist es eher die Zukunft. In einem nicht genau beschriebenen Jahr in einer wohl nicht allzu fernen Zukunft, gibt es von Amerika nicht mehr viel. Das klingt nach Panem und das Kasten-System irgendwie auch, wenn man an die Distrikte von Panem denkt. Und auch das Spielchen der Regierung mit einem Wettbewerb unter den Jugendlichen, kommt einem erst einmal bekannt vor.
Doch damit hört der Vergleich auch schon auf und vor allem steht "Selection" unseren geliebten Hungerspielen echt in nichts nach!
America ist ein Mitglied der fünften Kaste. Sie ist also Künstlerin. Nicht wohlhabend, aber auch nicht so arm, wie die Menschen der Kaste acht. Sie liebt Aspen. Heimlich, denn er ist eine Sechs. Das macht ihr nichts aus, sie würde für ihn sogar in eine niedrigere Kaste wechseln. Doch er will mehr für sie. So viel wie möglich. Dass sie etwas aus sich macht.
Wie passend, dass genau da zu einem Casting aufgerufen wird. Der Prinz sucht eine Gemalin und aus 35 Mädchen aus dem ganzen Land will er sich eine aussuchen. America schickt eine Bewerbung ein. In der Annahme, dass sie sowieso nicht genommen wird. Doch wie soll es anders sein: Natürlich gehört sie zu den Auserwählten. Doch sie will Prinz Maxons Gunst gar nicht. Und auch nicht Königin werden. Sie macht nur mit, damit ihrer Familie mehr Geld zukommt, oder?
Um noch einmal zum Panem-Vergleich zu kommen: Es war nicht immer einfach, sich mit Katniss anzufreunden. Mit America ist das nicht anders. Zwar ist sie nicht ganz so kratzbürstig, aber dennoch absolut widerwillig, als sie am Casting teilnehmen soll. Sie lehnt von vornherein alles ab, was mit dem Prinzen zu tun hat, ohne ihn zu kennen. Und auch als sie ihn kennenlernt, will sie in zuerst nicht mögen. Doch anscheinend hat er einen Narren an ihr gefressen und will sich mit ihr anfreunden. Keine schlechte Sache, denn so könnte sie möglichst lange im Schloss bleiben ohne ihn am Ende heiraten zu müssen. Der perfekte Plan. Wären da nicht die Gefühle, die ja doch machen, was sie wollen...
Dass wir in einem Casting-Zeitalter leben, brauche ich ja nicht zu betonen. Umso interessanter ist es, so ein Geschehen einmal in Romanform vor sich zu haben. Wie albern sich viele Teilnehmer benehmen, zu welchen Mittels sie greifen, um an ihr Ziel zu kommen. Und wie wenige es in solchen Wettkämpfen gibt, die es wirklich ernst meinen. Denn viele der Mädchen sind sicherlich nicht an Maxon interessiert, sondern allein an der Krone und der Macht, die sie somit erlangen könnten. Da ist America, die nur auf das Geld und Essen aus ist, ja fast noch ehrlich...
Doch auch das Leben auf dem Schloss ist nicht so schön, wie viele es sich vorstellen. Denn die Königsfamilie lebt in ständiger Angst vor Attentaten durch Rebellen. Zwar sind sie gut geschützt, doch als sich die Angriffe häufen, beginnen viele zu überdenken, ob das Casting das alles wirklich wert ist....
Kiera Cass: Selection - Sauerländer - € 16.99
Mittwoch, 6. Februar 2013
[Rezension] Cynthia J. Omololu - Für immer die Seele
Was haben Nelson Mandela, Al Gore und Opra Winfrey gemeinsam? Laut Cynthia J. Omololu vor allem eins: Sie sind alle Akhet. Was das ist? Menschen, die schon mehrmals wiedergeboren wurden und - das ist das Besondere - sich an ihre früheren Leben erinnern können. Sie haben das Wissen mehrerer Jahrhunderte in sich und können es anwenden. Viele von ihnen, wie die oben genannten, um Gutes zu bewirken. Sie sind Mitglieder der so genannten Sekhem, einer Organisation, die sich um das Wohl der Menschheit kümmert. Aber natürlich gibt es auch eine dunkle Seite. So zum Beispiel die Rächer, deren einziges Ziel es ist, ein Unrecht, das ihnen in einem früheren Leben widerfahren ist, zu sühnen.
Nicole, genannt Cole, weiß nicht, dass sie auch ein Akhet ist. Für sie sind die "Visionen", die sie an manchen Orten hat, eher ein Zeichen dafür, dass sie den Verstand verliert. Wieso hat sie am Tower von London eine Vision ihrer eigenen Hinrichtung? Woher kommen diese plötzlichen Bilder seit sie in England ist? Völlig von dieser kurzen Szene aus der Bahn geworfen, trifft sie auf den jungen Griffon. Er scheint sie zu verstehen und auch, warum sie das Gefühl hat, schon einmal an diesem Ort gewesen zu sein, auch wenn sie das erste Mal in London ist. Geht es ihm etwa genauso?
Wie es der Zufall (auch wenn Griffon nicht an so etwas glaubt) will, wohnen sie beide in San Franciso und begegnen sich natürlich wieder. Und hier wird es plötzlich noch viel seltsamer, als in England. Auch hier hat Cole ihre "Visionen", diesmal aus einer späteren Zeit, in der sie als junges italienisches Mädchen Cello spielt. Das scheint ihr nicht so abgwegig, immerhin beherrscht sie das Instrument tatsächlich, wird sogar als Wunderkind bezeichnet. Beinahe wirkt es so, als würde sie auf ein früheres Leben zurückblicken können und ihr Talent daraus schöpfen. Aber das kann doch nicht sein?
Griffon klärt sie auf: Sie war in einem früheren Leben tatsächlich Cellistin. Und auch eine Lady, die hingerichtet wurde. Sie war schon vieles, kann sich allerdings erst jetzt an Details erinnern. Sie ist Akhet, genau wie er. Im Gegensatz zu ihr erinnert er sich allerdings schon seit Längerem an frühere Leben. Sein jetziges, in dem er 17 ist, kann also auf die Erfahrung einiger Jahrhunderte und mehrere Menschenleben zurückgreifen. Der Gedanke daran gruselt Cole, fasziniert sie aber auch irgendwie.
Doch nicht nur Griffon und Cole sind Akhet. Auch Veronique, eine von Coles Celloschülerinnen, ist eine. Doch in ihr erkennt Griffon eine Rächerin - und sie hat es auf Cole abgesehen!
Eigentlich dachte ich ja, ich hätte jetzt wieder einmal genug von Fantasy-Büchern. Doch "Für immer die Seele" hat mich begeistert. Weil die Geschichte um Cole und Griffon faszinierend ist. Nach all den 17-jährigen Vampiren ist ein 17-Jähriger Wiedergeborener vielleicht nicht extrem neu, aber trotz all der Leben und Erfahrung hat keiner der Akhet besondere Fähigkeiten - vom Wissen einmal abgesehen. Das macht die Geschichte zu etwas ganz Besonderem.
Cole ist eine Hauptperson, die man sofort ins Herz schließt. Ihre Mädchenprobleme, den Alltag, die Musik, aber auch alles andere, kann man wunderbar nachvollziehen. Ihre Zweifel und Ängste, ihre zarten Gefühle für Griffon... und schließlich die Erkenntnis, dass alles, was er erzählt wahr ist. Zumindest, was ihre Vergangenheit angeht. Denn was seine eigene angeht, so hat er sie belogen... denn sie kannten sich in einem früheren Leben. Und das ging für Cole nicht gut aus.
"Für immer die Seele" ist der Auftakt einer Trilogie. Und das ist auch gut so, denn um über die Akhet zu erzählen, reicht ein Buch sicher nicht aus!
Nicole, genannt Cole, weiß nicht, dass sie auch ein Akhet ist. Für sie sind die "Visionen", die sie an manchen Orten hat, eher ein Zeichen dafür, dass sie den Verstand verliert. Wieso hat sie am Tower von London eine Vision ihrer eigenen Hinrichtung? Woher kommen diese plötzlichen Bilder seit sie in England ist? Völlig von dieser kurzen Szene aus der Bahn geworfen, trifft sie auf den jungen Griffon. Er scheint sie zu verstehen und auch, warum sie das Gefühl hat, schon einmal an diesem Ort gewesen zu sein, auch wenn sie das erste Mal in London ist. Geht es ihm etwa genauso?
Wie es der Zufall (auch wenn Griffon nicht an so etwas glaubt) will, wohnen sie beide in San Franciso und begegnen sich natürlich wieder. Und hier wird es plötzlich noch viel seltsamer, als in England. Auch hier hat Cole ihre "Visionen", diesmal aus einer späteren Zeit, in der sie als junges italienisches Mädchen Cello spielt. Das scheint ihr nicht so abgwegig, immerhin beherrscht sie das Instrument tatsächlich, wird sogar als Wunderkind bezeichnet. Beinahe wirkt es so, als würde sie auf ein früheres Leben zurückblicken können und ihr Talent daraus schöpfen. Aber das kann doch nicht sein?
Griffon klärt sie auf: Sie war in einem früheren Leben tatsächlich Cellistin. Und auch eine Lady, die hingerichtet wurde. Sie war schon vieles, kann sich allerdings erst jetzt an Details erinnern. Sie ist Akhet, genau wie er. Im Gegensatz zu ihr erinnert er sich allerdings schon seit Längerem an frühere Leben. Sein jetziges, in dem er 17 ist, kann also auf die Erfahrung einiger Jahrhunderte und mehrere Menschenleben zurückgreifen. Der Gedanke daran gruselt Cole, fasziniert sie aber auch irgendwie.
Doch nicht nur Griffon und Cole sind Akhet. Auch Veronique, eine von Coles Celloschülerinnen, ist eine. Doch in ihr erkennt Griffon eine Rächerin - und sie hat es auf Cole abgesehen!
Der Vorteil als Akhet ist, dass man sich an alles erinnert. Der Nachteil ist, dass man nichts vergisst.
Eigentlich dachte ich ja, ich hätte jetzt wieder einmal genug von Fantasy-Büchern. Doch "Für immer die Seele" hat mich begeistert. Weil die Geschichte um Cole und Griffon faszinierend ist. Nach all den 17-jährigen Vampiren ist ein 17-Jähriger Wiedergeborener vielleicht nicht extrem neu, aber trotz all der Leben und Erfahrung hat keiner der Akhet besondere Fähigkeiten - vom Wissen einmal abgesehen. Das macht die Geschichte zu etwas ganz Besonderem.
Cole ist eine Hauptperson, die man sofort ins Herz schließt. Ihre Mädchenprobleme, den Alltag, die Musik, aber auch alles andere, kann man wunderbar nachvollziehen. Ihre Zweifel und Ängste, ihre zarten Gefühle für Griffon... und schließlich die Erkenntnis, dass alles, was er erzählt wahr ist. Zumindest, was ihre Vergangenheit angeht. Denn was seine eigene angeht, so hat er sie belogen... denn sie kannten sich in einem früheren Leben. Und das ging für Cole nicht gut aus.
"Für immer die Seele" ist der Auftakt einer Trilogie. Und das ist auch gut so, denn um über die Akhet zu erzählen, reicht ein Buch sicher nicht aus!
Cynthia J. Omololu: Für immer die Seele - Dressler - €17.95
Offizieller Buchtrailer:
Offizieller Buchtrailer:
Montag, 4. Februar 2013
[Rezension] Kelly Keaton - Dein göttliches Herz entflammt
Dass New Orleans von Hurrikans wie Katrina verwüstet wird, ist uns bekannt und auch nicht der Feder von Kelly Keaton entsprungen. Wohl aber die beiden Hurrikans, die es schaffen, die Stadt fast komplett dem Erdboden gleichzumachen. Überschwemmungen sorgen dafür, dass die Sümpfe über die Ufer treten und alles Getier in der Stadt landet. Eigentlich ist sie nicht mehr bewohnbar. Doch neun sehr reiche Familien, genannt die Novem, kaufen sich die Stadt und nennen sie New 2. Sie ist fortan ihr privater Spielplatz und alle außerhalb des Walls, der die Stadt umgibt, können nur raten, was dort vor sich geht. Hexen, Geister und Vampire soll es geben und allerlei andere übersinnliche Dinge.
Auch die 17-jährige Ari kennt diese Gerüchte natürlich. Aber sie sind ihr egal, denn sie ist auf der Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit. Nach der Geschichte ihrer Familie und einer Erklärung dafür, warum ihre Mutter sie zur Adoption freigab und sich anschließend umgebracht hat. Sie hatte sich selber in eine Anstalt einweisen lassen, weil sie angeblich unter Wahnvorstellungen litt. So zumindest die Diagnose der Ärzte. Doch der Brief, den ihre Mutter ihr hinterlassen hat, spricht eine andere Sprache. Ari soll weglaufen. Doch wovor? Und wieso wird sie dasselbe Schicksal erleiden wie ihre Mutter?
Ihr bleibt nur eine Möglichkeit: New 2 betreten und das Krankenhaus, in dem sie geboren wurde, finden. Ihre Geburtsakte lesen und alles über ihre Herkunft erfahren. So zumindest der Plan. Doch dann lernt sie die junge Crank kennen, die sie mit zu sich nimmt. In einem verfallenen Haus leben ein paar Jugendliche wie die Ausgestoßenen. Und irgendwie scheinen sie das auch zu sein. Sie nennen sich Doués. Manche von ihnen sind Vampire, andere haben besondere Fähigkeiten. Es scheint also doch zu stimmen, was man über New 2 sagt. Und in Ari erkennen sie einen von ihnen. Doch was sind ihre Fähigkeiten? Der faszinierende Sebastian will ihr dabei helfen, das herauszufinden. Und wie könnte es anders sein: Die beiden kommen sich näher. Sehr viel näher.
"Dein göttliches Herz entflammt" spielt im Jahr 2026. In absehbarer Zukunft also und doch ist die Welt nicht mehr so, wie wir sie kennen. Zumindest rund um das ehemalige New Orleans nicht. Und doch haben wir es mit einer Dystopie zu tun, zumindest meiner Meinung nach. Oder doch einem Fantasy-Roman? Immerhin haben wir es mit Vampiren, Hexen und Göttern zu tun. Ist dabei der dystopische Faktor eher nebensächlich? Oder ist es einfach eine gelungene Kombination aus beidem?
Wie dem auch sei: "Dein göttliches Herz entflammt" ist der fulminante Auftakt einer vielversprechenden Trilogie! Der zweite Teil wird "Dein göttliches Herz versteinert" heißen und man darf jetzt schon gespannt sein, was Ari, Sebastian und Co weiterhin erleben. Denn viele Geheimnisse rund um New 2 wurden nicht einmal ansatzweise aufgedeckt!
Ari ist eine Heldin, mit der man erst warm werden muss. Doch hat man sie einmal ins Herz geschlossen, lässt man sie nicht mehr heraus. Ihre harte Schale ist natürlich nur Fassade. Innerlich ist sie zutiefst verängstigt und weiß oft nicht, was sie tun soll. Wem soll sie glauben, wer will ihr wirklich helfen? Und welcher Fluch lastet auf den Frauen ihrer Familie, der ihre Mutter in den Selbstmord trieb?
Auch die 17-jährige Ari kennt diese Gerüchte natürlich. Aber sie sind ihr egal, denn sie ist auf der Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit. Nach der Geschichte ihrer Familie und einer Erklärung dafür, warum ihre Mutter sie zur Adoption freigab und sich anschließend umgebracht hat. Sie hatte sich selber in eine Anstalt einweisen lassen, weil sie angeblich unter Wahnvorstellungen litt. So zumindest die Diagnose der Ärzte. Doch der Brief, den ihre Mutter ihr hinterlassen hat, spricht eine andere Sprache. Ari soll weglaufen. Doch wovor? Und wieso wird sie dasselbe Schicksal erleiden wie ihre Mutter?
So muss sich Alice gefühlt haben, als sie in das Kaninchenloch fiel
Ihr bleibt nur eine Möglichkeit: New 2 betreten und das Krankenhaus, in dem sie geboren wurde, finden. Ihre Geburtsakte lesen und alles über ihre Herkunft erfahren. So zumindest der Plan. Doch dann lernt sie die junge Crank kennen, die sie mit zu sich nimmt. In einem verfallenen Haus leben ein paar Jugendliche wie die Ausgestoßenen. Und irgendwie scheinen sie das auch zu sein. Sie nennen sich Doués. Manche von ihnen sind Vampire, andere haben besondere Fähigkeiten. Es scheint also doch zu stimmen, was man über New 2 sagt. Und in Ari erkennen sie einen von ihnen. Doch was sind ihre Fähigkeiten? Der faszinierende Sebastian will ihr dabei helfen, das herauszufinden. Und wie könnte es anders sein: Die beiden kommen sich näher. Sehr viel näher.
"Dein göttliches Herz entflammt" spielt im Jahr 2026. In absehbarer Zukunft also und doch ist die Welt nicht mehr so, wie wir sie kennen. Zumindest rund um das ehemalige New Orleans nicht. Und doch haben wir es mit einer Dystopie zu tun, zumindest meiner Meinung nach. Oder doch einem Fantasy-Roman? Immerhin haben wir es mit Vampiren, Hexen und Göttern zu tun. Ist dabei der dystopische Faktor eher nebensächlich? Oder ist es einfach eine gelungene Kombination aus beidem?
Wie dem auch sei: "Dein göttliches Herz entflammt" ist der fulminante Auftakt einer vielversprechenden Trilogie! Der zweite Teil wird "Dein göttliches Herz versteinert" heißen und man darf jetzt schon gespannt sein, was Ari, Sebastian und Co weiterhin erleben. Denn viele Geheimnisse rund um New 2 wurden nicht einmal ansatzweise aufgedeckt!
Ari ist eine Heldin, mit der man erst warm werden muss. Doch hat man sie einmal ins Herz geschlossen, lässt man sie nicht mehr heraus. Ihre harte Schale ist natürlich nur Fassade. Innerlich ist sie zutiefst verängstigt und weiß oft nicht, was sie tun soll. Wem soll sie glauben, wer will ihr wirklich helfen? Und welcher Fluch lastet auf den Frauen ihrer Familie, der ihre Mutter in den Selbstmord trieb?
Kelly Keaton: Dein göttliches Herz entflammt - Arena - €14.99
Freitag, 1. Februar 2013
[Rezension] Yelena Black - Dance of Shadows
Es gibt wenige Dinge, die mich so sehr faszinieren wie Ballett. Nicht, dass ich es jemals versucht hätte, aber ich sehe mir gerne an, wie die Tänzer über die Bühne schweben und scheinbar schwerelos sind. Dass dahinter ein Haufen Arbeit steckt, ist mir klar. Aber das fasziniert mich fast noch mehr - Wie man seinen Körper dazu bringt, einem so unglaublich zu gehorchen.
"Tanze dein Leben" ist nicht nur das Motto an der New Yorker Ballettakademie, sondern wohl an allen renommierten Schulen. Vanessa ist nach New York gekommen, um das zu tun. Aber nicht nur: Denn eigentlich ist sie auf der Suche nach ihrer Schwester Margaret, die vor drei Jahren von eben dieser Schule verschwand und nicht mehr aufgetaucht ist. Sie hatte die Hauptrolle in "Der Feuervogel" ergattert und angeblich dem Druck nicht standgehalten. Aber Vanessa glaubt das nicht.
Doch nicht nur ihre Schwester war talentiert - sie ist es auch. Und auch sie soll die Hauptrolle im Feuervogel tanzen. Eine große Ehre - aber auch ein enormer Druck. Vanessa will und kann dem standhalten - zumindest denkt sie das, bis es zu merkwürdigen Vorfällen kommt. Bringt der Stress Wahnvorstellungen mit sich? Oder führen einige ihrer Mitschüler, sowie auch Lehrer, etwas im Schilde?
Lange darüber nachgrübeln kann sie nicht, denn ein weiterer Hauptgewinn scheint ihr auf die Schaufel zu fallen: Zep, der Star der Schule, beginnt sich für sie zu interessieren. Doch wieso hat er nachmittags nie für sie Zeit. Und wieso arbeitet er so viel mit dem Choreographen Josef zusammen? Sind es wirklich nur Extrastunden oder steckt mehr dahinter?
Ritualtänze gibt es seit Menschengedenken. Regentänze, Fruchtbarkeitstänze - aber auch Beschwörungstänze. Und werden die von den falschen ausgeführt, kann das fatale Folgen haben... "Dance of Shadows" zeigt nicht nur das Leben an einer Ballettschule mit all den Strapazen, sondern auch, wie besessen so mancher mit Tänzen der ganz besonderen Art sein kann...
Yelena Black: Dance of Shadows - Bloomoon - € 17.99
Montag, 21. Januar 2013
[Motto der Woche] Lesestoff für den inneren Teenie
Zu meinem Job gehört es ja unter anderem bzw. vor allem, dass ich Bücher lese, zu deren Zielgruppe ich nicht (mehr) gehöre. Das ist es ja auch, was den Reiz aus- und großen Spaß macht. Ob nun Bilderbücher, Vorlesegeschichten oder Teenie-Bücher - der Bereich Kinder- und Jugendbuch gibt wahnsinnig viel her und sich in die Materie zu vertiefen macht unglaublich viel Spaß.
Diese Woche steht unter einem ganz bestimmten Motto: Lesestoff für meinen inneren Teenie. Vor zehn Jahren (bzw. sogar noch etwas mehr), also als ich mitten in der Pubertät steckte, habe ich mit Vorliebe pro Nachmittag ein Buch aus der Reihe "Freche Mädchen - Freche Bücher" gelesen. Im aktuellen Programm der verschiedenen Verlage bin ich jetzt auf drei Titel gestoßen, die vom Stil her ähnlich sind wie meine früheren Lieblinge. Und da sich diese wirklich innerhalb von ein paar Stunden weglesen lassen, werde ich mich in der laufenden Woche mal mit diesen drei Titel befassen.
Kerstin Gier: Jungs sind wie Kaugummi - Süß und leicht um den Finger zu wickeln
Ja, das ist schon älter. Aber die Taschenbuchausgabe ist neu und das habe ich zum Anlass genommen, das Büchlein endlich mal zu lesen. Die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier liebe ich, also bin ich echt gespannt. Bisher finde ich Sissi ganz niedlich. Die Geschichte erinnert mich an eines meiner Lieblingsbücher von früher: Mathe, Stress und Liebeskummer. Denn auch Sissi ist nicht gerade ein Mathe-Ass. Dass ihr Nachhilfe-Lehrer auch noch absolut zum Verlieben ist, hilft der Kontentration auch nicht wirklich...
Dagmar Hoßfeld: Mein Leben, die Liebe und der ganze Rest
Die gute Conni kennt man ja als Kind bereits mit ungefähr 2 Jahren. Das Kultgeschöpf schlechthin, das im Flugzeug fliegt, Seepferdchen macht oder Pizza backt. Nach und nach kamen dann auch Geschichten für ältere Kinder dazu. Und jetzt wird sie also 15 und kommt mitten in den ganzen Herzschlamassel hinein. Man darf gespannt sein, ob sie die Probleme hier auch so gut lösen kann, wie die aus Kindertagen...
Elizabeth Eulberg: Wie wir einen Sommer (vergeblich) versuchten, uns nicht zu verlieben
Auf dieses Buch bin ich besonders gespannt. Die Leseprobe hat mich wirklich angesprochen und die Mädels scheinen mir ein nettes Gespann zu sein. Besonders schön: Man hat dauernd Beatles-Ohrwürmer, weil die gute Penny natürlich nach Penny Lane benannt wurde und ihre ganze Familie gern die Songs der britischen Band hört. Und gute britische Musik schadet nie.
Ich bin gespannt, ob ich nach der Woche einen Teenie-Rosa-Overkill haben werde und mich in einer zweiten Pubertät wiederfinde werde. Was ich aber jetzt schon weiß: Ich werde sicher meinen Spaß haben!
Donnerstag, 17. Januar 2013
[Rezension] Siobhan Vivian - Nur eine Liste
Wer entscheidet, ob jemand schön oder hässlich ist? Wer ganz oben steht oder ganz unten, im Rampenlicht oder im Schatten?
An der Mount Washington Highschool ist das "Die Liste" oder vielmehr der, der sie schreibt. Es ist eine Tradition, die sich jedes Jahr wiederholt. Und nie wissen die Schüler, von wem die Liste stammt, die eines Morgens überall in der Schule hängt. Klingt ein bisschen nach Gossip Girl? Ist es auch. Nur dass der Verfasser der Liste nichts ausplaudert, sondern wertet. Acht Mädchen werden ausgewählt und in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt - ob nun als Gold- oder als Pechmarie.
Die Hübschesten. Vier Mädchen aus den vier Klassenstuften. Vier Mädchen, denen bescheinigt wird, dass sie an der Spitze sind oder zumindest dort hingehören. Die auf dem Homecoming-Ball von Jungs umringt sein werden, die beliebt sind. Oder?
Abby Warner ist Neuntklässlerin, gerade einmal seit vier Wochen geht sie auf die Highschool und schon ist sie auf der Liste. Und es ist für sie das höchste Glück! Sie fühlt sich beliebt, sie fühlt sich schön. Sie wird auf den Ball gehen und jede Menge Jungs kennenlernen. Denn darum geht es doch in der Highschool, oder? Und nicht darum wie ihre große Schwester Fern nur zu büffeln.
Dass Lauren Finn zum hübschesten Mädchen der zehnten Klasse gewählt wird, überrascht viele. Denn sie ist "Die Neue". Gerade hergezogen und zum erstem Mal überhaupt an einer Highschool, denn bisher wurde sie von ihrer Mutter zuhause unterrichtet. Sie kennt sich nicht aus mit sozialen Hierarchien und der Hackordnung. Und plötzlich wird sie in den ganzen Trubel hineingezogen, Mädchen scharen sich um sie und wollen ihre Freundinnen sein. Doch wie kann sie sicher sein, dass das nicht nur die Folgen der Liste sind?
Bridget Honeycutt ist hübsch und hat es verdient, auf der Liste zu sein. Der Meinung sind viele - aber nicht sie. Ihrer Meinung nach ist sie nur auf der Liste gelandet, weil sie so viel abgenommen hat. Der Kommentar unter ihrem Namen "Was ein Sommer ausmachen kann" scheint das zu bestätigen. Ihr Platz auf der Liste übt einen enormen Druck aus. Denn sie muss jetzt dünn bleiben. Oder sogar noch mehr abnehmen!
Die hübscheste Zwölftklässlerin und somit Anwärterin auf den Titel der Homecoming-Queen ist Margo Gable. Das überrascht niemanden so wirklich. Aber Margo kann sich nicht darüber freuen. Sie weiß selbst nicht warum. aber die Nominierung ist ihr fast gleichgültig und der Titel auch. Zumindest redet sie sich das ein.
Diesen vier Mädchen gegenüber steht die andere Seite der Medaille. Die vier hässlichsten Mädchen der Schule. Zumindest wenn es nach der Liste geht. Und die kann sich ja nicht täuschen, oder?
Die Neuntklässlerin Danielle DeMarco weiß gar nicht wie ihr geschieht, als sie mitsamt des Spitznamens "Dan The Man" auf der Liste landet. Sie fand sich bisher nie hässlich oder irgendwie männlich, hat einen Freund, ist nicht unbeliebt, im Schwimmteam. Wieso ist sie also auf der Liste gelandet?
Bei Candance Kincaid scheint der Fall schon eindeutiger: Hier wird auf ihre innere Hässlichkeit angespielt. Darauf, wie sie mit den Leuten umgeht und alles als selbstverständlich erachtet. Auch ihre äußerliche Schönheit kann darüber nicht hinwegtäuschen.
Sarah Singer aus der Elften scheint es laut Liste "darauf anzulegen". Und das tut sie wirklich. Sie rasiert sich den Hinterkopf, trägt nur schwarz, ist unfreundlich. Sie will sich im Grunde nur von den anderen abheben. Will kein "Püppchen" sein wie ihre Mitschülerinnen. Dass sie sich dabei nicht gerade beliebt macht, ist ihr gerade recht.
Und schlussendlich Jennifer Briggis. Sie ist die unangefochtene Königin. Zum vierten Mal in ihren vier Jahren auf der Liste. Alle warten auf ihre Reaktion. Beim ersten Mal musste sie sich übergeben. Wie wird sie diesmal reagieren? Wird es sie bestürzen oder wird es ihr egal sein? Was wird sie tun?
Acht Mädchen, deren Leben und Schicksal durch eine einzige Liste beeinflusst werden. Aber nicht unbedingt so, wie man sich das vorstellt und schon gar nicht so, wie der Verfasser sich das vermutlich gedacht hat.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der Mädchen. Wie gehen sie damit um, was ändert sich für sie? Wollen sie auch etwas ändern, um sich ihrem "Status" anzupassen oder ihm zu entfliehen? Im Laufe der Woche wird sich vieles tun. Am Montag hängt die Liste aus, am Samstag in der Homecoming-Ball. Showdown. Wer wird Queen, wer wird überhaupt da sein, wer im Rampenlicht stehen und wer am Rand?
Siobhan Vivian gelingt ein interessantes Portrait unserer Gesellschaft. Eine Ankreidung der Oberflächlichkeit, der Schwarzweiß-Kritieren "Schön" und "Hässlich" - und sie zeigt auf, wie dieses Schubladendenken einzelne Menschen und eine ganze Schule beeinflussen kann.
Die junge Abby denkt, ihre Schönheit reicht und der Schulstoff ist unwichtig.
Lauren erkennt, dass sie noch vieles über die soziale Ordnung an der Schule lernen muss.
Brigdet kämpft gegen ihren Körper bis sie sogar mit ihrer kleinen Schwester darüber in Streit gerät.
Margos Titel scheint ihr eher Pech als Glück zu bringen - genau wie bei ihrer großen Schwester ein Jahr zuvor.
Danielle hingegen erkennt durch ihren neuen "Status" so manche Dinge, vor denen sie bisher die Augen verschlossen hatte. Vor allem über ihren Freund Andrew.
Candace macht sich wirklich Gedanken über ihr Verhalten gegenüber anderen.
Sarah beschließt, erst recht nicht mehr auf sich zu achten und sich eine Woche lang nicht mehr zu waschen oder die Kleidung zu wechseln.
Und Jennifer? Die bekommt vor allem eins: Mitleid. Aber wollte sie das wirklich?
"Nur eine Liste" ist ein äußerst gut gelungenes, spitzfindiges Portrait einer oberflächlichen, schönheitsorientierten Gesellschaft. Unvorhergesehene Wendungen und Ereignisse runden die Geschichte ab. Man fühlt mit den Mädchen, entwickelt Sympathien für die einen und Abneigung gegenüber den anderen. Und vor allem stellt man eines fest: Schön oder hässlich mag nach außen hin wichtig erscheinen. Aber das Äußere ist nicht immer alles. Und nicht jeder sieht äußerlich und innerlich gleich aus.
An der Mount Washington Highschool ist das "Die Liste" oder vielmehr der, der sie schreibt. Es ist eine Tradition, die sich jedes Jahr wiederholt. Und nie wissen die Schüler, von wem die Liste stammt, die eines Morgens überall in der Schule hängt. Klingt ein bisschen nach Gossip Girl? Ist es auch. Nur dass der Verfasser der Liste nichts ausplaudert, sondern wertet. Acht Mädchen werden ausgewählt und in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt - ob nun als Gold- oder als Pechmarie.
Die Hübschesten. Vier Mädchen aus den vier Klassenstuften. Vier Mädchen, denen bescheinigt wird, dass sie an der Spitze sind oder zumindest dort hingehören. Die auf dem Homecoming-Ball von Jungs umringt sein werden, die beliebt sind. Oder?
Abby Warner ist Neuntklässlerin, gerade einmal seit vier Wochen geht sie auf die Highschool und schon ist sie auf der Liste. Und es ist für sie das höchste Glück! Sie fühlt sich beliebt, sie fühlt sich schön. Sie wird auf den Ball gehen und jede Menge Jungs kennenlernen. Denn darum geht es doch in der Highschool, oder? Und nicht darum wie ihre große Schwester Fern nur zu büffeln.
Dass Lauren Finn zum hübschesten Mädchen der zehnten Klasse gewählt wird, überrascht viele. Denn sie ist "Die Neue". Gerade hergezogen und zum erstem Mal überhaupt an einer Highschool, denn bisher wurde sie von ihrer Mutter zuhause unterrichtet. Sie kennt sich nicht aus mit sozialen Hierarchien und der Hackordnung. Und plötzlich wird sie in den ganzen Trubel hineingezogen, Mädchen scharen sich um sie und wollen ihre Freundinnen sein. Doch wie kann sie sicher sein, dass das nicht nur die Folgen der Liste sind?
Bridget Honeycutt ist hübsch und hat es verdient, auf der Liste zu sein. Der Meinung sind viele - aber nicht sie. Ihrer Meinung nach ist sie nur auf der Liste gelandet, weil sie so viel abgenommen hat. Der Kommentar unter ihrem Namen "Was ein Sommer ausmachen kann" scheint das zu bestätigen. Ihr Platz auf der Liste übt einen enormen Druck aus. Denn sie muss jetzt dünn bleiben. Oder sogar noch mehr abnehmen!
Die hübscheste Zwölftklässlerin und somit Anwärterin auf den Titel der Homecoming-Queen ist Margo Gable. Das überrascht niemanden so wirklich. Aber Margo kann sich nicht darüber freuen. Sie weiß selbst nicht warum. aber die Nominierung ist ihr fast gleichgültig und der Titel auch. Zumindest redet sie sich das ein.
Diesen vier Mädchen gegenüber steht die andere Seite der Medaille. Die vier hässlichsten Mädchen der Schule. Zumindest wenn es nach der Liste geht. Und die kann sich ja nicht täuschen, oder?
Die Neuntklässlerin Danielle DeMarco weiß gar nicht wie ihr geschieht, als sie mitsamt des Spitznamens "Dan The Man" auf der Liste landet. Sie fand sich bisher nie hässlich oder irgendwie männlich, hat einen Freund, ist nicht unbeliebt, im Schwimmteam. Wieso ist sie also auf der Liste gelandet?
Bei Candance Kincaid scheint der Fall schon eindeutiger: Hier wird auf ihre innere Hässlichkeit angespielt. Darauf, wie sie mit den Leuten umgeht und alles als selbstverständlich erachtet. Auch ihre äußerliche Schönheit kann darüber nicht hinwegtäuschen.
Sarah Singer aus der Elften scheint es laut Liste "darauf anzulegen". Und das tut sie wirklich. Sie rasiert sich den Hinterkopf, trägt nur schwarz, ist unfreundlich. Sie will sich im Grunde nur von den anderen abheben. Will kein "Püppchen" sein wie ihre Mitschülerinnen. Dass sie sich dabei nicht gerade beliebt macht, ist ihr gerade recht.
Und schlussendlich Jennifer Briggis. Sie ist die unangefochtene Königin. Zum vierten Mal in ihren vier Jahren auf der Liste. Alle warten auf ihre Reaktion. Beim ersten Mal musste sie sich übergeben. Wie wird sie diesmal reagieren? Wird es sie bestürzen oder wird es ihr egal sein? Was wird sie tun?
Acht Mädchen, deren Leben und Schicksal durch eine einzige Liste beeinflusst werden. Aber nicht unbedingt so, wie man sich das vorstellt und schon gar nicht so, wie der Verfasser sich das vermutlich gedacht hat.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der Mädchen. Wie gehen sie damit um, was ändert sich für sie? Wollen sie auch etwas ändern, um sich ihrem "Status" anzupassen oder ihm zu entfliehen? Im Laufe der Woche wird sich vieles tun. Am Montag hängt die Liste aus, am Samstag in der Homecoming-Ball. Showdown. Wer wird Queen, wer wird überhaupt da sein, wer im Rampenlicht stehen und wer am Rand?
Siobhan Vivian gelingt ein interessantes Portrait unserer Gesellschaft. Eine Ankreidung der Oberflächlichkeit, der Schwarzweiß-Kritieren "Schön" und "Hässlich" - und sie zeigt auf, wie dieses Schubladendenken einzelne Menschen und eine ganze Schule beeinflussen kann.
Die junge Abby denkt, ihre Schönheit reicht und der Schulstoff ist unwichtig.
Lauren erkennt, dass sie noch vieles über die soziale Ordnung an der Schule lernen muss.
Brigdet kämpft gegen ihren Körper bis sie sogar mit ihrer kleinen Schwester darüber in Streit gerät.
Margos Titel scheint ihr eher Pech als Glück zu bringen - genau wie bei ihrer großen Schwester ein Jahr zuvor.
Danielle hingegen erkennt durch ihren neuen "Status" so manche Dinge, vor denen sie bisher die Augen verschlossen hatte. Vor allem über ihren Freund Andrew.
Candace macht sich wirklich Gedanken über ihr Verhalten gegenüber anderen.
Sarah beschließt, erst recht nicht mehr auf sich zu achten und sich eine Woche lang nicht mehr zu waschen oder die Kleidung zu wechseln.
Und Jennifer? Die bekommt vor allem eins: Mitleid. Aber wollte sie das wirklich?
"Nur eine Liste" ist ein äußerst gut gelungenes, spitzfindiges Portrait einer oberflächlichen, schönheitsorientierten Gesellschaft. Unvorhergesehene Wendungen und Ereignisse runden die Geschichte ab. Man fühlt mit den Mädchen, entwickelt Sympathien für die einen und Abneigung gegenüber den anderen. Und vor allem stellt man eines fest: Schön oder hässlich mag nach außen hin wichtig erscheinen. Aber das Äußere ist nicht immer alles. Und nicht jeder sieht äußerlich und innerlich gleich aus.
Siobhan Vivian: Nur eine Liste - Ravensburger - € 16.99
Sonntag, 13. Januar 2013
[Rezension] Elizabeth Miles - Im Herzen die Rache
Die Erinyen („die Rasenden“), bei den Römern als Furien bezeichnet,
sind in der griechischen Mythologie die drei Rachegöttinnen Alekto, Megaira und Tisiphone.
Sie stellen die personifizierten Gewissensbisse dar.
Dass es kein normaler Winter werden wird, ist den Jugendlichen spätestens klar, als sich eine Mitschülerin von einer Brücke stürzt und ins Koma fällt. Sasha war eine Außenseiterin, wurde ausgelacht. Und einer ihrer Mitschüler war daran nicht unschuldig. Natürlich quält Chase sein schlechtes Gewissen, aber nicht genug, um etwas zu ändern. Und jetzt scheint es zu spät zu sein.
Auch Emily wird von Gewissensbissen gequält. Aber auch nicht genug, um sich selbst daran zu hindern, etwas mit dem Freund ihrer besten Freundin anzufangen. Das Verlangen ist einfach stärker, sie kann nichts dagegen tun. Das ist doch nicht verwerflich, oder?
Chase und Emily lassen sich beide etwas zu schulden kommen. Und obwohl sie es bereuen, reicht das nicht. Denn Reue allein reicht oft nicht. So manches muss gerächt werden. Ob böswillig oder nicht, das ist den Furien egal. Denn genau sie sind es, die die Missetaten rächen werden - in Form dreier bildschöner Mädchen. Ty, Meg und Ali (Kennt man sich mit der Mythologie etwas aus, erkennt man hier die Namen Tisiphone, Megaira und Alekto bzw. zumindest die Ähnlichkeit zu den Namen der mythischen Furien). Und Chase wäre nicht ein Mann, wenn er nicht auf Tys Reize hereinfallen würde. Doch dass sie nur auf Rache aus ist und ihm das Leben so zur Hölle machen wird, wie er es mit Sasha getan hat, will ihm einfach nicht in den Sinn kommen.
Emily hingegen merkt schnell, dass mit Ali etwas nicht stimmt. Das Mädchen verfolgt sie, wo sie auch ist. Und sie scheint keine Ruhe geben zu wollen, bis Emily nicht nur bereut, sondern Rache erfahren hat, die ihrem Vergehen angemessen ist.
Legenden, Mythen und Sagen faszinieren die Menschen seit jeher. Ob in ihrer ursprünglichen Fassung oder modernisiert - man kann nicht genug kriegen. So geht es einem auch hier. Vielleicht hat man schon einmal was von den Furien gehört, aber die drei Gestalten (denen man unter anderem auch in der Göttlichen Komödie, bei Iphigenie auf Tauris und Paradise Losz begegnet) in einem modernen Kontext am Werk zu sehen, macht "Im Herzen die Rache" zu etwas Besonderem. Natürlich auch zu einer Geschichte, die dazu verleiten soll, selbst über Gut und Böse, Recht und Unrecht nachzudenken. Vielleicht wird man nicht von den Furien bestraft, aber es fällt doch vieles auf einen zurück im Leben. Auge um Auge, möchte man fast sagen. Oder an Karma glauben, je nachdem.
Dennoch schließt man gerade die beiden Charaktere ins Herz, die für ihr Vergehen bestraft werden sollen. Chase und Emily sind natürlich nicht nur "schlecht" und "böse". Im Grunde sind sie auch nur menschlich. Und irgendwie einfach naiv und dumm. Chase, weil er sich durch sein verletztes Ego dazu verleiten ließ, Sashas soziales Leben zu zerstörten. Weil er auf Ty hereinfällt, nur weil er sie attraktiv findet. Und Emily, weil sie die Freundschaft zu ihrer besten Freundin aufs Spiel setzt, weil sie denkt, deren Freund wäre ihre große Liebe. Das ist beides im Grunde nicht bösartig, eigentlich eher verständlich. Aber die Rache unterscheidet da nicht wirklich. Für sie zählt das Ergebnis und vor allem ihre Aufgabe: Vergeltung. Und die drei Furien wissen natürlich, was sie tun. Und sie werden ihre Rache kriegen. Koste es, was es wolle.
Elizabeth Miles: Im Herzen die Rache - Loewe - € 17.95
Offizieller Buchtrailer:
Donnerstag, 8. November 2012
[Rezension] Robin LaFevers - Grave Mercy
Ich bin eigentlich kein Fan von "klassischen" Fantasybüchern. Ich mag lieber Urban Fantasy. Und Historische Romane mag ich eigentlich auch nicht so gerne, mit dem Genre werde ich einfach nicht warm. Umso erstaunlicher also, dass ich euch heute von einem Buch vorschwärmen werde, das genau diese beiden Elemente vereint: Ein historischer Fantasyroman. Oder ein Historienroman mit ein bisschen Fantasy. Wie auch immer.
Aufmerksam wurde ich auf Grave Mercy durch eine Rezension bei der lieben Sarah. Und weil wir einen ziemlich ähnlichen Geschmack haben, vertraute ich einfach ihrem Urteil bzw. ihrer Begeisterung und nahm mir das Buch mit nach Hause.
Und ich habe es nicht bereut. Verschlungen habe ich es beinahe schon. Ich konnte es fast nicht mehr aus der Hand legen, weil ich wissen wollte, was passiert, wie sich die Geschehnisse auflösen (und ob überhaupt). Gerade diese Mischung aus geschichtlichen Details im Bezug auf Frankreich und die Bretagne, den Fantasyelementen, die sich mehr mit Göttern, als mit fantastischen Kreaturen befassen und allem voran der klassixchen Abenteuergeschichte ist es, was den Lesegenuss so groß macht. Natürlich darf man hierbei das Salz in der Suppe nicht vergessen: Die Liebesgeschichte.
Die 17-Jährige Ismae ist vor drei Jahren geflüchtet. Aus ihrem Heimatdorf, weg von einer Zwangsehe, die für sie nur Schmerz und Leid bedeutet hätte. Sie wurde aufgenommen in einem Kloster. Die Nonnen haben sich dem Dienste St. Mortains verschrieben und sie wird als Noviz in verschiedenen Tötungsarten, vor allem aber in Giftmischerei ausgebildet. Dies hat zum Zweck, dass sie St. Mortains Befehle ausführen soll, denn er ist die Gottheit des Todes.
Ihr erster großer Auftrag führt sie an den Hof von Anne de Bretagne, der jungen Herzogin, die alle Hände voll zu tun hat, die Bretagne vor einer Übernahme durch die Franzosen zu bewahren. Ismae ist zu ihrem Schutz da - denn wer das nur für sie sichtbare Zeichen Mortains trägt, muss von ihr getötet werden - und das sind meist die, die sich gegen die Herzogin verschworen haben. Da sich Ismae in ihrem früheren Leben mit vielem herumschlagen musste, vor allem mit der Grausamkeit der Männer, scheint dies ein Leichtes für sie zu sein. Doch auch ihr Herz, das scheinbar aus Stein ist, kann zum Schlagen gebracht werden. Gavriel Duval und sie scheinen auf unterschiedlichen Seiten zu stehen - und doch sorgen sie sich beide nur um das Wohl von Anne. Und da Ismae als seine Mätresse am Hofe vorgestellt wurde, wäre es doch ein leichtes, den Worten Taten folgen zu lassen. Wäre da nur nicht ihr Auftraggeber - denn der hat etwas dagegen, dass sie ihr Herz verschenkt...
Befasst man sich ein wenig mit der Geschichte der Bretagne, stellt man schnell etwas fest: Robon LeFevers hat sich sehr genau an die Fakten gehalten, was Anne und ihren Hof angeht. Viele Namen, die in ihrem Roman auftauchen, spielten wirklich eine große Rolle zu dieser Zeit. Einzig die Sache mit St. Mortain lässt sich so nirgends finden - das ist dann wohl das Fantasyelement. Aber es wirkt so glaubwürdig, dass ich sogar davon ausgegangen bin, dass es wirklich diese Abtei gibt und auch eine Gottheit, die angebetet wurde. Dieses Verweben von Wahrheit und Fiktion macht den besonderen Reiz von "Grave Mercy" aus. Aber das ist nur ein kleiner Teil.
Ismae trägt die Geschichte, denn sie ist eine starke, aber liebenswürdige Erzählstimme, mit der man sich gleich zu beginn anfreunden kann. All ihre Gedankengänge und Handlungen sind, wenn auch oft nicht verständlich, so doch nachvollziehbar - vor allem, als sie beschließt, endlich Herrin ihres eigenen Schicksals zu werden.
Das ist kein Buch nur für Liebhaber von Historienschwarten und Fantasywälzern - sondern für alle, die ein gut geschriebenes, spannendes Buch lesen und dabei sogar noch so manches lernen wollen!
Robin LaFevers: Grave Mercy - Die Novizin des Todes - Originaltitel: His Fair Assassin - Verlag: cbj - € 14.99
Aufmerksam wurde ich auf Grave Mercy durch eine Rezension bei der lieben Sarah. Und weil wir einen ziemlich ähnlichen Geschmack haben, vertraute ich einfach ihrem Urteil bzw. ihrer Begeisterung und nahm mir das Buch mit nach Hause.
Und ich habe es nicht bereut. Verschlungen habe ich es beinahe schon. Ich konnte es fast nicht mehr aus der Hand legen, weil ich wissen wollte, was passiert, wie sich die Geschehnisse auflösen (und ob überhaupt). Gerade diese Mischung aus geschichtlichen Details im Bezug auf Frankreich und die Bretagne, den Fantasyelementen, die sich mehr mit Göttern, als mit fantastischen Kreaturen befassen und allem voran der klassixchen Abenteuergeschichte ist es, was den Lesegenuss so groß macht. Natürlich darf man hierbei das Salz in der Suppe nicht vergessen: Die Liebesgeschichte.
Die 17-Jährige Ismae ist vor drei Jahren geflüchtet. Aus ihrem Heimatdorf, weg von einer Zwangsehe, die für sie nur Schmerz und Leid bedeutet hätte. Sie wurde aufgenommen in einem Kloster. Die Nonnen haben sich dem Dienste St. Mortains verschrieben und sie wird als Noviz in verschiedenen Tötungsarten, vor allem aber in Giftmischerei ausgebildet. Dies hat zum Zweck, dass sie St. Mortains Befehle ausführen soll, denn er ist die Gottheit des Todes.
Ihr erster großer Auftrag führt sie an den Hof von Anne de Bretagne, der jungen Herzogin, die alle Hände voll zu tun hat, die Bretagne vor einer Übernahme durch die Franzosen zu bewahren. Ismae ist zu ihrem Schutz da - denn wer das nur für sie sichtbare Zeichen Mortains trägt, muss von ihr getötet werden - und das sind meist die, die sich gegen die Herzogin verschworen haben. Da sich Ismae in ihrem früheren Leben mit vielem herumschlagen musste, vor allem mit der Grausamkeit der Männer, scheint dies ein Leichtes für sie zu sein. Doch auch ihr Herz, das scheinbar aus Stein ist, kann zum Schlagen gebracht werden. Gavriel Duval und sie scheinen auf unterschiedlichen Seiten zu stehen - und doch sorgen sie sich beide nur um das Wohl von Anne. Und da Ismae als seine Mätresse am Hofe vorgestellt wurde, wäre es doch ein leichtes, den Worten Taten folgen zu lassen. Wäre da nur nicht ihr Auftraggeber - denn der hat etwas dagegen, dass sie ihr Herz verschenkt...
Befasst man sich ein wenig mit der Geschichte der Bretagne, stellt man schnell etwas fest: Robon LeFevers hat sich sehr genau an die Fakten gehalten, was Anne und ihren Hof angeht. Viele Namen, die in ihrem Roman auftauchen, spielten wirklich eine große Rolle zu dieser Zeit. Einzig die Sache mit St. Mortain lässt sich so nirgends finden - das ist dann wohl das Fantasyelement. Aber es wirkt so glaubwürdig, dass ich sogar davon ausgegangen bin, dass es wirklich diese Abtei gibt und auch eine Gottheit, die angebetet wurde. Dieses Verweben von Wahrheit und Fiktion macht den besonderen Reiz von "Grave Mercy" aus. Aber das ist nur ein kleiner Teil.
Ismae trägt die Geschichte, denn sie ist eine starke, aber liebenswürdige Erzählstimme, mit der man sich gleich zu beginn anfreunden kann. All ihre Gedankengänge und Handlungen sind, wenn auch oft nicht verständlich, so doch nachvollziehbar - vor allem, als sie beschließt, endlich Herrin ihres eigenen Schicksals zu werden.
Das ist kein Buch nur für Liebhaber von Historienschwarten und Fantasywälzern - sondern für alle, die ein gut geschriebenes, spannendes Buch lesen und dabei sogar noch so manches lernen wollen!
Robin LaFevers: Grave Mercy - Die Novizin des Todes - Originaltitel: His Fair Assassin - Verlag: cbj - € 14.99
Sonntag, 4. November 2012
[Rezension] S.B. Hayes - Die Besessene
Im Herbst ändern sich ja bekanntlich die Lesegewohnheiten. Von der seichten Lektüre, die man im Sommer braucht, weil das Hirn eh geschmolzen ist, zu den "schweren" Werken. Das muss jetzt nicht heißen, dass man nur russische Klassiker im Original liest oder so. Aber irgendwie verändert sich die Themen, die einen ansprechen.
Ich wollte zu Beginn des Herbstes etwas, das mir Gänsehaut verursacht. Mit dem ich mich ins Bett kuscheln kann und Seite um Seite umblättern, voller Spannung, was als Nächstes passieren wird.
Also nahm ich mir "Die Besessene" mit, nachdem ich den halben Klappentext gelesen und das Buch für gut befunden hatte. Das ist so ein Tick von mir. Ich lese nur den halben Text, damit ich feststellen kann, ob mir das Buch taugt. Die zweite Hälfte lese ich deshalb nicht mehr, weil ich nicht zu viele Informationen will. Klingt komisch? Solltet ihr trotzdem mal ausprobieren!
Von "Die Besessene" wusste ich also nicht viel. Ich wusste nicht einmal, ob es ein Krimi oder Fantasy ist. Das ist in diesem Fall sehr interessant, weil man sich stellenweise wirklich fragt, was als Nächstes kommen könnte - etwas realistisches oder doch ein Ausflug in die Fantasywelt. Zusätzlich zur allgemeinen Spannung im Buch ergibt das noch einen interessanten Nervenkitzel.
Katys Leben ist nicht einmal ansatzweise perfekt. Ihre Mutter verlässt seit Jahren nicht mehr das Haus, bei ihren Freundinnen fühlt sie sich meistens wie das dritte Rad am Wagen und am College ist sie ein Niemand. Einzig, dass Merlin auf sie aufmerksam wird, scheint alles zu ändern. Der gutaussehende, talentierte Merlin scheint sich in sie verliebt zu haben - endlich passiert etwas Gutes in ihrem Leben.
Doch wie das so ist: Das Glück währt nicht allzu lange. Denn plötzlich taucht eine Gestalt auf, die sehr wohl zu denken scheint, dass ihr Leben beneidenswert ist. Und die es ihr wegnehmen will.
Genevieve scheint überall zu sein, wo Katy ist. Und die Macht zu haben, alles zu zerstören. Alle gegen Katy aufzuhetzen, die ihr etwas bedeuten. Sie will ihr alles nehmen. Angefangen von Merlin, über ihre Freunde bis hin zum Erfolg am College.
"Ich bin all das, was du nicht bist und werde Besitz von deinem Leben ergreifen"
Kann das mit rechten Dingen zugehen? Ist Genevieves Hass so groß, dass sie wirklich zu all dem fähig ist? Oder steckt mehr dahinter? Sogar etwas Übersinnliches vielleicht? Und wieso hat sie es ausgerechnet auf Katy abgesehen?
Sie beginnt zu recherchieren und stösst auf ungeheuerliche Dinge: Genevieve heißt eigentlich Grace. Sie wurde adoptiert und ihre Adoptiveltern kamen bei einem Feuer ums Leben aus dem sie beinahe unbeschadet einfach herausspaziert ist. Natürlich halten sie die Bewohner des Dorfes, in dem das passiert ist, für eine Hexe. Total abwegig. Oder? Katy beginnt zu zweifeln, denn Genieveve scheint wirklich etwas Übersinnliches an sich zu haben…
Das klingt wirklich ein Bisschen nach Fantasy oder zumindest Mystery, was? Und mehr sollte man auch wirklich nicht darüber wissen, denn S.B. Hayes hat noch einige Twists und Tricks auf Lager bis Katy Genieveve und ihrer Geschichte auf die Schliche kommt. Und was sie dann herausfindet, damit rechnet man wirklich nicht!
S.B. Hayes: Die Besessene - Originaltitel: Poison Heart - Deutscher Taschenbuch Verlag 2012 - € 14.95
Donnerstag, 18. Oktober 2012
[Rezension] Tommy Krappweis - Mara und der Feuerbringer 1
Ich finde es ja immer schwierig, die Aussage "Das ist ein gutes Buch" von sich zu geben. Denn wer "darf" entscheiden, ob ein Buch gut oder schlecht ist?
Was ich aber gut sagen kann ist: "Das ist ein Buch, das mir gefällt". Denn wenn man von Dingen wie Büchern oder Filmen spricht, dann geht es ja immer um die eigene Meinung.
Wenn ich ein Buch mögen soll, ist es nicht verkehrt ein paar Dinge zu beachten. Das wird den Autoren natürlich herzlich egal sein, wenn sie ihr Buch schreiben, aber trotzdem freue ich mich immer über folgende Elemente (oder auch nur eins oder zwei davon):
1. Ort der Handlung: München oder London. Gründe dürften klar sein. München, weil das meine Heimat ist und weil ich es liebe, wenn ich die Orte des Geschehens kenne. Weil ich dann das passende Bild vor Augen habe und mir denken kann "Ha, da war ich schon!" Und London weil London. Große Liebe.
2. Schreibstil. Dass der wichtig ist, ist klar. Nicht plump, aber auch nicht so, dass ich ein Wörterbuch brauche oder die Schachtelsätze so lang sind, dass ich am Ende schon wieder vergessen habe, was am Anfang stand.
3. Humor. Mein Humor mag etwas eigen sein, aber man kann mich doch ganz gut zum Lachen bringen. Und wenn es Buch das schafft, dann ist das umso besser!
4. Liebenswerte Charaktere. Das, was mich bei "The Casual Vacancy" ja so gestört hat: Ich brauche Charaktere, die ich mag. Sonst macht es mir keinen oder wenig Spaß. Wenn ich mich in Charaktere verliebe und sie in mein Herz schließe, dann bin ich auch traurig, wenn das Buch zu ende ist.
5. Substanz. So nenne ich das mal in einem Wort. Oder auch einfach ein "Hintergrund". Etwas Lehrreiches, wenn man so will. Man liest ja, um seinen Horizont zu erweitern. Also ich jedenfalls.
Wieso ich jetzt so kilometerweit aushole bei der Rezension eines Buches?
Ganz einfach: In diesem Fall sind einfach mal all diese Elemente versammelt und deshalb sage ich: "Das ist ein Buch, das mir gefällt." Ich könnte jetzt einfach sagen: Kauft es euch, weil ich es gut finde. Aber ich drösle mal nach meinen oben aufgeführten Liste auf und erkläre euch, wieso genau ich "Mara und der Feuerbringer" mag.
1. Es spielt in München. Win! Viele meiner Lieblingsorte, die ich in- und auswendig kenne kommen vor. Mara geht in Giesing zur Schule? Endlich mal jemand, der "meinen" Stadtteil unterbringt! LMU? Auch ich bin schon in den "heiligen Hallen" der Uni gewandert. Sendlinger Tor, Deutsches Museum, Ludwigsbrücke. München at its best. Und von einem Münchner geschrieben, das merkt man sofort.
2. Ich lese ja nicht langsam, aber Mara hab ich wirklich ruckzuck durchgehabt. Und das liegt am Schreibstil. Flüssig zu lesen, passend zu einem Jugendbuch (was positiv ist, weil Jugendbücher eh meistens besser zu lesen sind). Und: Ich habe tolle neue Wörter gelernt. Ich freue mich schon, wenn ich jemanden als "Laberkeks" oder als "Schleimhilde" bezeichnen kann! Oder "eine Wendeltreppe ins Genick nörgeln" (angeblich ist das im Bayerischen ein oft gebrauchter Spruch. Ging wohl bisher an mir vorüber)
3. Humor. Siehe oben eigentlich. Und ich muss gestehen: Ich hab mir das Buch ursprünglich deshalb gekauft, weil ich Tommy Krappweis auf der RingCon in Bonn erlebt habe und vor lachen oft mehr auf meinem Stuhl hing, als saß. Und er hat mich nicht enttäuscht. Man erwartet ja bei einem Jugendbuch über ein Mädchen und germanische Götter nicht unbedingt Lachanfälle, aber hier hat man sie. Und sie runden das Ganze einfach ab. Nur, weil ein "ernstes" Thema behandelt wird, muss man den Humor ja nicht außen vor lassen. Das trauen sich viele Autoren leider nicht und ich frage mich ja schon: Wieso eigentlich? Macht viel mehr Spaß so!
4. Mara und Professor Weissinger sind nicht nur ein geniales Gespann, sondern auch einzeln einfach toll. Man weiß meistens gar nicht, wen man eigentlich mehr liebt! Und wer jetzt glaubt, ein männlicher Autor jenseits des Teeniealters könne keine Geschichte aus der Sicht einer 14-Jährigen erzählen: Denkste! Mara ist der Inbegriff vieler Mädels in dem Alter. Mich eingeschlossen, manches kam mir wirklich sehr bekannt vor, muss ich sagen. Chaotisch sind wir ja alle in dem Alter. Aber ich mag nicht nur die beiden. Maras Mutter ist in ihrer esoterischen Durchgeknalltheit einfach irgendwie liebenswürdig und so mancher germanische Gott hat es mir auch angetan.
5. Apropos germanische Götter. Ich wusste bis zur Lektüre von "Mara und der Feuerbringer" gar nicht, dass ich mich für Loki, Thor, Odin und Konsorten interessiere. Jetzt schon. Und jetzt will ich mir am Besten gleich dicke Wälzer zum Thema kaufen. Womit Tommy Krappweis das geschafft hätte, was für mich eben wichtig ist: Meinen Horizont erweitert. Mich auf den Geschmack gebracht. Einen bleibenden Eindruck hinterlassen also. Und das muss ein Buch, bei der Masse, die ich so lese, auch erst einmal schaffen. Vor allem Jugendbücher haben manchmal die dumme Eigenschaft, genauso zu sein, wie zwanzig vor ihnen schon waren. Leider gerne im Fantasy-Bereich. In diesem Fall sicher nicht! Denn germanische Götter hatte noch keiner, zumindest nicht in den Büchern, die ich so gelesen habe.
So. Ich mag also "Mara und der Feuerbringer". Und ich habe jetzt auch schon etwas über das Buch erzählt. Zum Inhalt noch nicht so viel, aber da will ich auch nicht alles verraten, ich will ja, dass ihr es selbst lest. Grob zusammengefasst: Wir haben es hier mit einer Trilogie zu tun. Ich habe jetzt den ersten Teil gelesen, aber natürlich werden die anderen beiden in sehr naher Zukunft folgen. Die Hauptperson heißt Mara, sie ist 14 und wohnt in München. Und eigentlich ist sie ja ganz normal. Hätte sie nicht so komische Tagträume und würde nicht plötzlich ein Zweig mit ihr sprechen. Klingt schon komisch? Das ist ja erst der Anfang! Denn der Zweig erzählt ihr allerhand noch komischere Dinge. Dass sie eine Spákona sei und die Welt retten müsse, zum Beispiel.
Was eine Spákona ist und wieso die Welt dem Untergang geweiht ist, erzähle ich jetzt nicht. Ich hoffe einfach, dass meine Begeisterung und die fünf guten Gründe, die ich oben aufgeführt habe, reichen, um einfach jeden zum Kauf (und zur Lektüre, versteht sich) des Buches bzw. der Bücher zu bewegen. Denn immerhin reicht ja schon aus, wenn man mir nur in einem Punkt zustimmt! Ihr seid aus München? Großartig - lesen! Ihr habt Spaß und Freude an guter Sprache? Bassd! Ihr habt Humor, ihr mögt sympathische Buchcharaktere oder ihr lebt nach dem Motto "Man lernt nie aus?" Was hält euch dann noch davon ab, die Bücher zu lesen?
Eben.
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