Donnerstag, 25. April 2013

[Empfehlung] The Perks Of Being A Wallflower - Film & Buch

So, this is my life. And I want you to know that I am both happy and sad and I'm still trying to figure out how that could be
Mit (modernen) Klassikern ist das ja so eine Sache: Wenn man das Gefühl hat, dass man sie lesen muss, weil das ja jeder gebildete Mensch getan hat, dann hat man schon keine Lust mehr. Zumindest mir geht es immer so. Dieser Denkweise sind schon einige Bücher zum Opfer gefallen und das ist eigentlich sehr schade.
Lange Zeit ging es mir auch mit „The Perks Of Being A Wallflower“ so. Moderner Klassiker der Jugendliteratur, mit Preisen überhäuft, in den Himmel gelobt, ständig irgendwo Klassenlektüre. Das schreckte mich schon ab. Als ich dann auch noch herausfand, dass es sich um einen einseitigen (im Sinne von: Es gibt nie eine Antwort) Briefroman handelt, war mir klar: Das kommt auf den Stapel „Nein danke“.
Aber wie so oft im Leben (vor allem in meinem) wurde ich eines Besseren gelehrt. Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam, aber eines Freitagabends hatte ich Lust, mir einen Film anzuschauen. Und aus irgendeinem Grund fiel die Wahl auf die Verfilmung von „Perks“. Zu deutsch sehr verwirrend mit „Vielleicht lieber morgen“ betitelt, heißt das Buch doch in der Übersetzung „Das also ist mein Leben“. Aber das mal nur am Rande. Man sollte es eh im Original lesen und anschauen. 

I am very interested and fascinated by how everyone loves each other, but no one really likes each other

Wie dem auch sei: Es war Freitagabend und ich sah mir den Film an. Und kaum war er zuende, war ich besessen. Anders kann man es nicht sagen. Es ist die Art von Film, die einen nicht mehr loslässt. Einer zum Mitheulen, zum Mitlachen, zum Mitfreuen und zum Mitleiden. Auch einer der Filme, der gerade Kultstatus erreicht, aber in dem Fall kann ich das verstehen. Es stimmt einfach alles. Die Besetzung ist grandios (Besonders liebe ich Ezra Miller, obwohl Logan Lerman und Emma Watson wirklich auch exzellent spielen), der Soundtrack wie ein Mixtape, das man sich immer wieder anhören will. Eine rundum gute Sache, nicht zuletzt deswegen, weil der Autor des Buches, Stephen Chbosky, auch das Drehbuch schrieb und Regie führte. Das merkt man ja immer sofort.


And all the books you've read have been read by other people. And all the songs you've loved have been heard by other people. [...] And you know that if you looked at these facts when you were happy, you would feel great because you are describing "unity". 

Nachdem ich also den Film gesehen und mich verliebt hatte, kam der nächste Schritt: Ab zu Tumblr und YouTube, alles anschauen, was ich finden kann. Und als ich auch hier gesättigt war, blieb natürlich nur eins: Das Buch endlich lesen. Und das tat ich dann auch. Und ärgerte mich: Wieso nur hatte ich mich so lange geweigert, es zu lesen?!


You can't just sit there and put everybody's lives ahead of yours and think that counts as love.

Natürlich ist es erst einmal ungewöhnlich und etwas schwerer zu lesen. Aber hat man sich einmal darauf eingelassen, ist der Schreibstil absolut passend: Charlies Briefe an einen Unbekannten, die immer mit „Dear Friend“ beginnen und mit „Love Always, Charlie“ enden. Dazwischen erzählt er aus einer Zeitspanne seines Lebens, die nicht zur schönsten, sondern auch teilweise zur schlimmsten seines Lebens gehört. Aber die Geschichte an sich ist nicht das, was einen so fesselt: Es sind diese kleinen, wunderbaren Sätze, die man so noch nie gelesen hat und die man sich am liebsten auf die Wand, die Haut oder sonstwohin schreiben will, damit man sie immer lesen kann. Kleine, philosophische Einsichten über das Leben und die Menschen.


We accept the love we think we deserve

Es wird ja generell als Frevel bezeichnet, wenn man ein Buch liest, nachdem man die Verfilmung gesehen hat. In diesem Fall finde ich es sogar besser. Wenn man am Anfang nicht den Zugang zum Buch findet, bleibt man Dank des Filmes dran. Man weiß, was noch kommen wird und man will wissen, wie es auf den Seiten steht. Und kaum versieht man sich, schon hat man sich an den Stil gewöhnt und sogar Gefallen daran gefunden.


If somebody likes me, I want them to like the real me, not what they think I am

Sollte ich „The Perks Of Being A Wallflower“ jemandem empfehlen, dann würde es mir schwer fallen, die richtige „Zielgruppe“ zu finden. Jugendliche und Junge Erwachsene, egal wer? Möglich. Aber eigentlich ist es ein Film für jeden, der Sinn für gute, stimmige Filme hat, die einen noch lange beschäftigen und ein klein wenig emotional werden lassen. 
Eine Inhaltsbeschreibung habe ich bewusst weggelassen. Irgendwo hat man vom Inhalt ja schonmal gehört und wenn nicht: Umso besser, denn wenn man möglichst wenig weiß, macht vor allem der Film besonders Spaß.


So I guess we are what we are for a lot of reasons. And maybe we'll never know most of them. But even if we don't have the power to choose where we come from, we can still choose where to go from there. We can still do things. And we can try to feel okay about them.

Bilder: viavia

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