An der Mount Washington Highschool ist das "Die Liste" oder vielmehr der, der sie schreibt. Es ist eine Tradition, die sich jedes Jahr wiederholt. Und nie wissen die Schüler, von wem die Liste stammt, die eines Morgens überall in der Schule hängt. Klingt ein bisschen nach Gossip Girl? Ist es auch. Nur dass der Verfasser der Liste nichts ausplaudert, sondern wertet. Acht Mädchen werden ausgewählt und in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt - ob nun als Gold- oder als Pechmarie.
Die Hübschesten. Vier Mädchen aus den vier Klassenstuften. Vier Mädchen, denen bescheinigt wird, dass sie an der Spitze sind oder zumindest dort hingehören. Die auf dem Homecoming-Ball von Jungs umringt sein werden, die beliebt sind. Oder?
Abby Warner ist Neuntklässlerin, gerade einmal seit vier Wochen geht sie auf die Highschool und schon ist sie auf der Liste. Und es ist für sie das höchste Glück! Sie fühlt sich beliebt, sie fühlt sich schön. Sie wird auf den Ball gehen und jede Menge Jungs kennenlernen. Denn darum geht es doch in der Highschool, oder? Und nicht darum wie ihre große Schwester Fern nur zu büffeln.
Dass Lauren Finn zum hübschesten Mädchen der zehnten Klasse gewählt wird, überrascht viele. Denn sie ist "Die Neue". Gerade hergezogen und zum erstem Mal überhaupt an einer Highschool, denn bisher wurde sie von ihrer Mutter zuhause unterrichtet. Sie kennt sich nicht aus mit sozialen Hierarchien und der Hackordnung. Und plötzlich wird sie in den ganzen Trubel hineingezogen, Mädchen scharen sich um sie und wollen ihre Freundinnen sein. Doch wie kann sie sicher sein, dass das nicht nur die Folgen der Liste sind?
Bridget Honeycutt ist hübsch und hat es verdient, auf der Liste zu sein. Der Meinung sind viele - aber nicht sie. Ihrer Meinung nach ist sie nur auf der Liste gelandet, weil sie so viel abgenommen hat. Der Kommentar unter ihrem Namen "Was ein Sommer ausmachen kann" scheint das zu bestätigen. Ihr Platz auf der Liste übt einen enormen Druck aus. Denn sie muss jetzt dünn bleiben. Oder sogar noch mehr abnehmen!
Die hübscheste Zwölftklässlerin und somit Anwärterin auf den Titel der Homecoming-Queen ist Margo Gable. Das überrascht niemanden so wirklich. Aber Margo kann sich nicht darüber freuen. Sie weiß selbst nicht warum. aber die Nominierung ist ihr fast gleichgültig und der Titel auch. Zumindest redet sie sich das ein.
Diesen vier Mädchen gegenüber steht die andere Seite der Medaille. Die vier hässlichsten Mädchen der Schule. Zumindest wenn es nach der Liste geht. Und die kann sich ja nicht täuschen, oder?
Die Neuntklässlerin Danielle DeMarco weiß gar nicht wie ihr geschieht, als sie mitsamt des Spitznamens "Dan The Man" auf der Liste landet. Sie fand sich bisher nie hässlich oder irgendwie männlich, hat einen Freund, ist nicht unbeliebt, im Schwimmteam. Wieso ist sie also auf der Liste gelandet?
Bei Candance Kincaid scheint der Fall schon eindeutiger: Hier wird auf ihre innere Hässlichkeit angespielt. Darauf, wie sie mit den Leuten umgeht und alles als selbstverständlich erachtet. Auch ihre äußerliche Schönheit kann darüber nicht hinwegtäuschen.
Sarah Singer aus der Elften scheint es laut Liste "darauf anzulegen". Und das tut sie wirklich. Sie rasiert sich den Hinterkopf, trägt nur schwarz, ist unfreundlich. Sie will sich im Grunde nur von den anderen abheben. Will kein "Püppchen" sein wie ihre Mitschülerinnen. Dass sie sich dabei nicht gerade beliebt macht, ist ihr gerade recht.
Und schlussendlich Jennifer Briggis. Sie ist die unangefochtene Königin. Zum vierten Mal in ihren vier Jahren auf der Liste. Alle warten auf ihre Reaktion. Beim ersten Mal musste sie sich übergeben. Wie wird sie diesmal reagieren? Wird es sie bestürzen oder wird es ihr egal sein? Was wird sie tun?
Acht Mädchen, deren Leben und Schicksal durch eine einzige Liste beeinflusst werden. Aber nicht unbedingt so, wie man sich das vorstellt und schon gar nicht so, wie der Verfasser sich das vermutlich gedacht hat.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der Mädchen. Wie gehen sie damit um, was ändert sich für sie? Wollen sie auch etwas ändern, um sich ihrem "Status" anzupassen oder ihm zu entfliehen? Im Laufe der Woche wird sich vieles tun. Am Montag hängt die Liste aus, am Samstag in der Homecoming-Ball. Showdown. Wer wird Queen, wer wird überhaupt da sein, wer im Rampenlicht stehen und wer am Rand?
Siobhan Vivian gelingt ein interessantes Portrait unserer Gesellschaft. Eine Ankreidung der Oberflächlichkeit, der Schwarzweiß-Kritieren "Schön" und "Hässlich" - und sie zeigt auf, wie dieses Schubladendenken einzelne Menschen und eine ganze Schule beeinflussen kann.
Die junge Abby denkt, ihre Schönheit reicht und der Schulstoff ist unwichtig.
Lauren erkennt, dass sie noch vieles über die soziale Ordnung an der Schule lernen muss.
Brigdet kämpft gegen ihren Körper bis sie sogar mit ihrer kleinen Schwester darüber in Streit gerät.
Margos Titel scheint ihr eher Pech als Glück zu bringen - genau wie bei ihrer großen Schwester ein Jahr zuvor.
Danielle hingegen erkennt durch ihren neuen "Status" so manche Dinge, vor denen sie bisher die Augen verschlossen hatte. Vor allem über ihren Freund Andrew.
Candace macht sich wirklich Gedanken über ihr Verhalten gegenüber anderen.
Sarah beschließt, erst recht nicht mehr auf sich zu achten und sich eine Woche lang nicht mehr zu waschen oder die Kleidung zu wechseln.
Und Jennifer? Die bekommt vor allem eins: Mitleid. Aber wollte sie das wirklich?
"Nur eine Liste" ist ein äußerst gut gelungenes, spitzfindiges Portrait einer oberflächlichen, schönheitsorientierten Gesellschaft. Unvorhergesehene Wendungen und Ereignisse runden die Geschichte ab. Man fühlt mit den Mädchen, entwickelt Sympathien für die einen und Abneigung gegenüber den anderen. Und vor allem stellt man eines fest: Schön oder hässlich mag nach außen hin wichtig erscheinen. Aber das Äußere ist nicht immer alles. Und nicht jeder sieht äußerlich und innerlich gleich aus.
Siobhan Vivian: Nur eine Liste - Ravensburger - € 16.99

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