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Dienstag, 23. April 2013

[Rezension] Cath Crowley - Graffiti Moon


Zwei Menschen, die nachts durch eine Stadt stromern und sich dabei besser kennenlernen, als sie es tagsüber je gekonnt hätten. Das kennt man. Man denke nur an Before Sunrise oder an Nick & Norah's Infinite Playlist. Die Idee mag alt sein und doch fasziniert sie immer wieder. Weil man sie jedes neue Mal komplett anders ausarbeiten kann, als in den anderen Geschichten. Weil die Charaktere anders handeln. Weil die Nacht viele Möglichkeiten bietet.

Er ist eben kein Mr Darcy.

Lucy hat so ihre Probleme mit Jungs. Vor allem mit Ed. Vor über zwei Jahren waren die beiden auf einem Date, bei dem sie ihm die Nase gebrochen hatte, nachdem er sie "betatscht" hatte. Und doch fühlt sie sich heimlich immer noch zu ihm hingezogen, auch wenn sie das nicht zugibt, vor allem nicht vor sich selbst.
Ed hat Lucy auch nicht vergessen, trotz der gebrochenen Nase. Und als sie einander plötzlich wieder gegenüberstehen, scheint dieses Prickeln immer noch da zu sein. Nur, dass sie an ihm kein Interesse mehr zu haben scheint. Denn Lucy ist in jemand anders verliebt. In Shadow. Den geheimnisvollen Graffiti-Künstler, dessen Pieces ihr direkt aus der Seele sprechen. Den sie noch nie gesehen hat, aber unbedingt treffen will. Und Ed scheint ihn zu kennen. Ganz klar: Er muss ihn ihr vorstellen. Doch was, wenn Shadow nicht der Traumtyp ist, den sie sich ausmalt. Was, wenn er ein arbeitsloser Schulabbrecher ist, der nicht richtig lesen kann? Was, wenn sie ihn eigentlich schon kennt und jetzt mit ihm durch die nächtliche Stadt gondelt?

Dass Shadow das Pseudonym von Ed ist, macht die Sache natürlich nicht leichter für ihn. Denn irgendwann wird es herauskommen und Lucy wird nicht begeistert sein. Weil er sie angelogen hat. Und weil er nicht dem Idealbild entspricht, das sie von Shadow hat. Er ist kein gebildeter Künstler, er ist nicht weltoffen und erfahren. Und er hat vor, noch in dieser Nacht die Schule auszurauben, denn er hat kein Geld und Schulden.

Mir ist nur eingefallen, dass du mich geschlagen hast, weil ich nicht Mr Darcy war.

Es einem Mädchen wie Lucy recht zu machen, scheint unmöglich. Sie hat hohe Ansprüche, kennt sich mit Kunst aus, ist talentiert. Und Ed scheint all dem einfach nicht zu entsprechen. Ihre Vergangenheit zeigt, dass die beiden einfach nicht kompatibel sind. Oder?

Denn im Laufe der Nacht scheint Lucy das Ziel aus den Augen zu verlieren. Shadow scheint zu dem zu werden, was er ist: Ein Schatten. Ed tritt in den Vordergrund, denn wie sich herausstellt, kann man sich sehr wohl mit ihm unterhalten, auch über Kunst. Und er ist realer als Shadow. Oder nicht?

Alles in Ordnung? Dein Flüstern klingt plötzlich so schrill.

Eine Nacht wie jede andere. Aber doch auch die Nacht nach dem Abschluss, die Nacht in der sich alles verändern kann. Und auch wird. Für Lucy und für Ed, aber auch für ihre Freunde. Denn Eds Freund Leo, der unter dem Decknamen Poet Gedichte und Texte für die Graffitis schreibt, sitzt in der Klemme. Zum Einen will er Lucys Freundin Jazz beeindrucken, zum Anderen muss er 500 Dollar auftreiben. Das alles in einer Nacht. Scheint ein bisschen zu viel zu sein.

Es gibt viele Dinge, die "Graffiti Moon" zu etwas ganz Besonderem machen. Die Charaktere, die verschiedenen Arten von Kunst, die von Leo alias Poet geschriebenen Gedichte, die zwischen den Kapiteln immer wieder auftauchen, die wechselnden Perspektiven. Es ist ein Buch, das einen nicht so schnell loslässt. Dass einen in die Nacht hinaus schicken will, um selbst Abenteuer zu erleben. Sein Leben zu ändern, etwas zu erleben. Und sich zu verlieben. In die Nacht selbst oder in die Schatten, die sich in ihr tummeln. 

Cath Crowley - Graffiti Moon - Carlsen - €16,90

Montag, 21. Januar 2013

[Motto der Woche] Lesestoff für den inneren Teenie


Zu meinem Job gehört es ja unter anderem bzw. vor allem, dass ich Bücher lese, zu deren Zielgruppe ich nicht (mehr) gehöre. Das ist es ja auch, was den Reiz aus- und großen Spaß macht. Ob nun Bilderbücher, Vorlesegeschichten oder Teenie-Bücher - der Bereich Kinder- und Jugendbuch gibt wahnsinnig viel her und sich in die Materie zu vertiefen macht unglaublich viel Spaß.
Diese Woche steht unter einem ganz bestimmten Motto: Lesestoff für meinen inneren Teenie. Vor zehn Jahren (bzw. sogar noch etwas mehr), also als ich mitten in der Pubertät steckte, habe ich mit Vorliebe pro Nachmittag ein Buch aus der Reihe "Freche Mädchen - Freche Bücher" gelesen. Im aktuellen Programm der verschiedenen Verlage bin ich jetzt auf drei Titel gestoßen, die vom Stil her ähnlich sind wie meine früheren Lieblinge. Und da sich diese wirklich innerhalb von ein paar Stunden weglesen lassen, werde ich mich in der laufenden Woche mal mit diesen drei Titel befassen.

Kerstin Gier: Jungs sind wie Kaugummi - Süß und leicht um den Finger zu wickeln
Ja, das ist schon älter. Aber die Taschenbuchausgabe ist neu und das habe ich zum Anlass genommen, das Büchlein endlich mal zu lesen. Die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier liebe ich, also bin ich echt gespannt. Bisher finde ich Sissi ganz niedlich. Die Geschichte erinnert mich an eines meiner Lieblingsbücher von früher: Mathe, Stress und Liebeskummer. Denn auch Sissi ist nicht gerade ein Mathe-Ass. Dass ihr Nachhilfe-Lehrer auch noch absolut zum Verlieben ist, hilft der Kontentration auch nicht wirklich...

Dagmar Hoßfeld: Mein Leben, die Liebe und der ganze Rest
Die gute Conni kennt man ja als Kind bereits mit ungefähr 2 Jahren. Das Kultgeschöpf schlechthin, das im Flugzeug fliegt, Seepferdchen macht oder Pizza backt. Nach und nach kamen dann auch Geschichten für ältere Kinder dazu. Und jetzt wird sie also 15 und kommt mitten in den ganzen Herzschlamassel hinein. Man darf gespannt sein, ob sie die Probleme hier auch so gut lösen kann, wie die aus Kindertagen...

Elizabeth Eulberg: Wie wir einen Sommer (vergeblich) versuchten, uns nicht zu verlieben
Auf dieses Buch bin ich besonders gespannt. Die Leseprobe hat mich wirklich angesprochen und die Mädels scheinen mir ein nettes Gespann zu sein. Besonders schön: Man hat dauernd Beatles-Ohrwürmer, weil die gute Penny natürlich nach Penny Lane benannt wurde und ihre ganze Familie gern die Songs der britischen Band hört. Und gute britische Musik schadet nie.

Ich bin gespannt, ob ich nach der Woche einen Teenie-Rosa-Overkill haben werde und mich in einer zweiten Pubertät wiederfinde werde. Was ich aber jetzt schon weiß: Ich werde sicher meinen Spaß haben!