Mittwoch, 31. Januar 2018

Die Leberkäsebrezenphilosophie

"Ich habe gelesen, wenn man sich jeden Tag fragt, was eigentlich positiv an dem Tag war, dann wird man optimistischer. Und beugt extrem Burnout und Depressionen vor. Meinst du, jeder Tag hat was Gutes?"
"Ich glaub schon. Und wenn's nur die Leberkäsebreze ist."
"Sehr gutes Beispiel!"
"Ich nenne das die Leberkäsebrezenphilosophie"
"Das Gute im Tag zu suchen?"
"Genau"

Mein lieber Freund Lukas und ich haben manchmal spätnachts hochphilosophische Momente. Jeder liegt im jeweiligen Bett, das Handy in der Hand, WhatsApp offen und aus irgendeinem Thema entwickeln sich zwei Stunden Lebensphilosophie. So auch an einem Freitagabend vor nicht allzu langer Zeit. Und da fiel zum ersten Mal das Wort Leberkäsebrezenphilosophie.

Man muss dazu sagen, dass Lukas ein kleines Suchtproblem hat, was diesen bayerischen Snack angeht und regelmäßig (heißt im Grunde täglich von Montag bis Freitag) mit anderen Kollegen darum kämpft, wer zuerst beim Brotzeitmann in der Arbeit ankommt und sich das Frühstück für Champions sicher kann. Ich wiederum stehe dieser Art Breze eher neutral gegenüber, aber wusste eben, dass sie ein Tageshighlight sein kann und kam daher auf meine neue Philosophie. 

Was dem einen die Leberkäsebreze ist, ist die anderen der erste Kaffee am Morgen. Die Zimtschnecke an jedem zweiten Freitag. Oder einfach gar nichts zu essen, sondern ein schöner Song. Eine nette Begegnung. Es muss auch gar keine wiederkehrende Sache sein, aber wenn man mal ein bisschen nachdenkt, dann gibt es doch an jedem Tag etwas Gutes, oder? 

Manche Tage sind blöd, ja. Aber ich wette, auch diese Tage haben zumindest eine gute Sekunde. Wenn man über den Tag nachdenkt, fällt sie einem vielleicht nicht sofort ein, aber irgendwann sicher. Findige Leute haben dafür Tagebücher erfunden, die man ausfüllen kann. Andere wiederum nehmen die positive n Momente und Gedanken mit in das Bulletjournal auf. 

Wahrscheinlich klinge ich hochesoterisch und philosophisch mit meiner neuesten Glückstheorie, aber es stimmt einfach. Wenn man sich an den Moment erinnert, an dem man glücklich die Leberkäsebreze (was auch beim zehnten Mal noch schrecklich zu tippen ist) verdrückt hat oder wie man mit dem Lieblingslied im Ohr die Straße entlang spaziert ist - ich behaupte es hilft und wenn nicht, dann schadet es zumindest auch nicht. 

Im Buchhandel haben mir ältere und vor allem erfahrende Kollegen oft am Ende des Tages einen Tipp gegeben, wenn ich deprimiert war und an den einen blöden Kunden gedacht habe: "Vergiss den und denke an die 20 anderen, die nett waren und die sich gefreut haben, dass du ihnen hilfst. Das bringt viel mehr." Und auch das stimmt, denn leider merkt man sich die negativen Sachen viel eher und vor allem länger, als die positiven.Und vergisst dabei vor allem auch, dass die positiven Momente an den meisten Tagen überwiegen.

Für etwaige Hunger auf LKB (Leberkäsebreze) übernehme ich übrigens keinerlei Verantwortung, aber vielleicht hat sie ja wirklich eine ähnlich glücklich machende Wirkung wie Schokolade. 

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